Hannover - Das Blitzlichtgewitter ist den Models auf dem roten Teppich sicher – dennoch handelt es sich um eine Modenschau, die ohne High Heels und tiefe Einblicke auskommt. Die katholische Kirche in Hannover organisierte jetzt eine Schau mit Gottesdienst-Gewändern für Frauen.

Dabei hatte das Schaulaufen mit weiblicher Mode im Tagungshaus St. Clemens einen ernsthaften Hintergrund: Aufgrund des Priestermangels werden Laien und vor allem auch Frauen immer mehr in das Gemeindeleben eingebunden. Außerdem wollen die Frauen das kirchliche Leben stärker mitgestalten.

„Wir übernehmen immer mehr Verantwortung in der Kirche, als Wortgottesleiterin oder bei Beerdigungen“, sagt Pastoralreferentin Ewa Karolchak. „Es ist selbstverständlich, dass wir Gewänder wollen, in denen wir uns wohlfühlen und die uns gut passen.“ Sie hoffe, dass das Thema mehr Aufmerksamkeit in der Kirche erhalte. „Wir Frauen geben der katholischen Kirche ein weibliches Gesicht, eine weibliche Stimme.“

Die Unterstützung von Propst Martin Tenge ist den Frauen auf jeden Fall sicher, schließlich strebt das Bistum Hildesheim eine gleichberechtigte Einbindung von Frauen – wenn auch nicht als Priester – an. „Ich hoffe, dass von hier heute ein Impuls gesendet wird, der über Hannover hinausgeht“, sagt der Geistliche. Liturgische Kleidung signalisiere dem Gottesdienstbesucher, dass eine Person einen Dienst ausübt. „Heute schauen wir mehr auf modische Aspekte, auch die Männer“, sagt er zum Selbstverständnis der Hauptamtlichen und Laien in der Kirche.

Anders als bei der Kleidung für Priester hat die für Frauen keine Tradition in der Kirche – eigene Entwürfe und Fantasie sind gefragt, wie Beate Cassau von der gleichnamigen Paramentenwerkstatt in Paderborn erklärt. „Die Frauen tragen gerne buntere Kleidung als Männer.“ Die bei der Modenschau präsentierten Modelle sind zumeist bodenlange Gewänder, oft aus hellem Stoff mit farblichen Einsätzen, Überwürfen oder Schals.

Wie Andreas Poschmann vom Liturgischen Institut in Trier erklärt, sei anders als vor 25 Jahren die Bereitschaft der Hauptamtlichen in der Kirche gewachsen, auch Laienhelfern liturgische Kleidung zuzugestehen.