Westerstede - Mehr als 100 Musikerinnen und Musiker campieren zurzeit im Westersteder Gymnasium, und das hat Tradition. Rund zwei Wochen lang wird hier das Programm für ein großes Konzert einstudiert. Seit 25 Jahren gibt es das Ensemble in wechselnder Besetzung, und über die Zeit ist vielen die Stadt ans Herz gewachsen.
„Westerstede ist wie ein zweites Zuhause für mich“, schwärmt Jana Kubale, die seit zehn Jahren dabei ist und von Saarbrücken anreist. „Es macht Spaß, mit den anderen zu spielen, das hohe Niveau, das alles gefällt mir.“ Neben den ganztägigen Proben bleibt auch Zeit fürs Feiern, was ebenfalls zum Gemeinschaftsgefühl beiträgt. Eike Nimz aus Hannover und Paola Gollub aus Hamburg haben sich vor drei Jahren bei der Probe kennen und lieben gelernt. Aber nicht beim Spielen, wie sie erzählen – beim Küchendienst habe es gefunkt. Sie sind übrigens nicht die einzigen: Es sind sogar schon einige Ehen aus dem Orchester hervorgegangen.
Die Selbstversorgung gehört mit zum Programm des Orchesters, das intern bestens organisiert ist. Die Fäden laufen bei Matthias Staiger aus Berlin zusammen, der sich um Organisatorisches kümmert. Aber auch er spielt seit 2010 mit. „Obwohl ich eigentlich Physiker bin“, erzählt er. Und er ist nicht der einzige ambitionierte Freizeitmusiker im Orchester. „Diese bunte Mischung macht den Reiz“, findet Felix Cornelius, ein gebürtiger Oldenburger, der heute in Frankfurt am Main lebt. „Ich freue mich jedes Jahr darauf, die Leute wiederzusehen.“
Eine weite Anreise aus Dresden nimmt Dirigent Andreas Schüller auf sich. „Doch es lohnt sich“, findet er. Das hohe künstlerische Niveau und die Mischung aus harter Probenarbeit und fröhlicher Partystimmung danach weiß er zu schätzen. „Hier haben wir viel Zeit, uns intensiv mit der Musik zu befassen, aber ein wenig ist das auch wie eine Urlaubsreise.“
