FEDDERWARDERSIEL - Das sei etwas Besonderes: Erstmals werden im Museum in Fedderwardersiel die Butjadinger Kunst- und Kulturwochen „Gezeiten“ eröffnet. Das geschehe „im Stammhaus“ der Gezeiten, denn der Gezeiten-Arbeitskreis sei eine Abteilung des Museumsförderkreises. Das sagte Förderkreis-Vorsitzende Dr. Marlene Laturnus am Donnerstagvormittag zur Eröffnung der 24. Gezeiten-Wochen vor etwa 35 Zuhörern im Museum.

Gemünzt auf den Leiter des Gezeiten-Arbeitskreises, Klaus Trolldenier, und auf das zwölfköpfige Team sprach Laturnus von einer „starken Leitfigur“ und einem „starken Team“. Zur Eröffnungsveranstaltung begrüßte sie auch Nordenhams Bürgermeister Hans Francksen und den SPD-Bundestagsabgeordneten Holger Ortel.

Anschließend stellte Renate Knauel im Namen des Arbeitskreises das Programm vor. Sie begrüßte auch den „Stammvater von Gezeiten“, Hergen Auffarth sowie Butjadingens Alt-Bürgermeister Theys Francksen.

Standortfaktor

Stellvertretende Landrätin Uta Elb sagte, der Arbeitskreis habe wieder ein großartiges Programmangebot geschaffen. Kultur sei ein harter und ein weicher Standortfaktor für die Region.

„Sie erhöhen die Anziehungskraft von Butjadingen und bringen damit etwas in Bewegung“, lobte stellvertretender Bürgermeister Christian Bergmann den Gezeiten-Arbeitskreis.

Museumsleiterin Gabriele Speckels führte in die Sonderausstellung im Hause ein, die zeitgleich mit den Gezeiten-Wochen eröffnet worden ist. Unter dem Titel „Spielräume – Spielarten“ sind zu sehen: Bildgewebe von Ursula Jäger und Objekte von Theresia Gerding (die NWZ berichtete bereits vorab ausführlich).

Die beiden Künstlerinnen aus Bremen waren zur Eröffnung nach Fedderwardersiel gekommen. Museumsleiterin Gabriele Speckels sagte, daran anlehnend könnte für die Gezeiten-Wochen dieses Motto ausgegeben werden: „Spielräume eröffnen – Spielarten erschließen“.

„Ist Kultur heute noch lebensnotwendig?“ lautete der Titel des Vortrages von Jörg Michael Henneberg, stellvertretender Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft. Wie nicht anders zu erwarten war, fiel die Antwort eindeutig bejahend aus. Gäbe es in Berlin keine Museen, Theater und Kleinkunstbühnen, so wäre in Berlin nichts los. Ähnliches gelte für andere Großstädte und auch für Oldenburg, sagte Henneberg.

„Ohne Kultur wäre auch Butjadingen nichts“, verwies er auf die romanischen Kirchen und die reiche Orgellandschaft.

Dank an Trolldenier

Auch im Namen von Landschaftspräsident Horst-Günter Lucke dankte Henneberg in diesem Zusammenhang Silke und Klaus Trolldenier, deren Galerie in Ruhwarden – wie berichtet – ihr 30-jähriges Bestehen feiert. Ohne diese Galerie wäre die Kulturlandkarte des Oldenburger Landes um einiges ärmer.

Kunst und Kultur seien keinesfalls ein weicher, sondern ein harter Standortfaktor, so Henneberg. Eine besondere, den Orten eigentümliche Kultur sei anziehend für Touristen, könne ein Alleinstellungsmerkmal im touristischen Wettbewerb sein.

Basis für Miteinander

Kunst und Kultur seien auch eine ganz entscheidende Basis für soziales Miteinander. Es gebe viel mehr Menschen, die Museen oder Theater besuchen, als Menschen, die in Fußballstadien gehen.

Ganz wichtig sei aber auch die Erkenntnis, so Henneberg, dass „unsere Kultur auf christlichen Werten fußt.“

Für ansprechende musikalische Beiträge zur Eröffnung sorgte Kirchenmusiker Sören Suhr aus Schwei mit Improvisationen am Klavier.

Zum Abschluss ergriff Klaus Trolldenier das Wort, dankte und gab als Devise aus: „Kultur trotz klammer Kassen“.