FEDDERWARDERSIEL - Die Menschen müssen lernen, gesund, würdig und glücklich zu leben. Das ist die Quintessenz der Vorstellungen Johann Gottfried Herders (1744 bis 1803). Dieser ostpreußische Philosoph, Lehrer und Theologe war am Freitagabend Thema beim gut besuchten alljährlichen vorweihnachtlichen Museumskonzert in Fedderwardersiel.

Altlandrat Udo Zempel stellte den großen Deutschen vor, der auch von den Polen als einer der ihren gesehen wird. Deshalb spiele er, ähnlich wie Nikolaus Kopernikus (1473 bis 1543), eine symbolische Rolle für das immer besser werdende Verhältnis der beiden Nachbarnationen, sagte Zempel. Dem 82-Jährigen ist die Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen ein Herzensanliegen.

Ausgehend von einem Besuch in Herders Geburtsort Morungen, der fast 40 Jahre zurück liegt, verband Zempel eigene Erlebnisse und Schlussfolgerungen eng mit seinen Erzählungen über den Philosophen. Dessen Pazifismus und Humanismus, verbunden mit der Forderung nach umfassender Bildung der Menschheit, stellte er in den Mittelpunkt des ersten Teils seines Referats. Herder hatte Kontakte mit Geistesgrößen von Weltformat. Sein Lehrer war der Königsberger Philosoph Immanuel Kant (1724 bis 1804), sein Freund der Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832).

Thema des zweiten Teils seines Referats war der Pädagoge Herder, dessen Forderungen nach Einheit von Körper, Geist und Seele, dessen Verlangen nach Humanität Zempel als „nach wie vor aktuelles Bildungsziel“ bezeichnete. Der Referent sieht in Herder die Vereinigung von Aufklärung und Romantik, woraus die Forderung nach Überwindung kopflastigen, praxisirrelevanten Lernens entspringt.

Abschließend widmete sich Zempel Herders „Lied der Lieder“, seiner Exegese des alttestamentarischen „Hohelied der Liebe“ um König Salomon. In der Interpretation des Pantheisten Herder findet sich laut Zempel die Begeisterung für „natürliche Liebe, orientalische Poesie und Kritik der Gegenwart“, in seinen Augen der essenzielle Herder. Dessen „Arznei für ein krankes Jahrhundert“ sei auch heute noch empfehlenswert.

Den musikalischen Part des vorweihnachtlichen Abends gestaltete das Trio Stilbruch; es besteht aus dem Musiklehrer Uli Ziegeler (Bass) und seinen beiden Schülerinnen Barbara Mumdey (Schlagzeug) und Dr. Marlene Laturnus (Klavier und Gesang). Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt ließen sie zur Einstimmung „Jingle Bells“ erklingen und füllten danach die Vortragspausen mit leichten Jazz-Klassikern wie „As Time goes by“, „Autumn Leaves“ und „Georgia on my Mind“.

Zum Abschluss luden die drei Musiker die Gäste ein, gemeinsam mit ihnen Weihnachtslieder zu singen. Doch das behagte angesichts des frühen Termins noch nicht allen.