Filmfest-Fakten – Emder erwarten Fatih Akin und Nina Petri
Das 16. Internationale
Filmfest Emden-Aurich-Norderney beginnt am Mittwoch, 1. Juni, und endet am Mittwoch, 8. Juni. Zur Eröffnung im Neuen Theater Emden wird ab 19 Uhr der Film „Paradise Now“ von Hany Abu-Assad gezeigt.„Paradise Now“
tritt auch im Wettbewerb um den mit 10 000 Euro und kuscheligen Ottifanten (Bild unten) dotierten Wicki-Preis an. Im Rennen sind zwölf Filme.Porträtreihen
sind der britischen Regisseurin Sally Potter („The Tango Lesson“) und dem deutschen Regisseur Fatih Akin („Gegen die Wand“) gewidmet. Die Emder zeigen auch Akins neuen Film „Crossing The Bridge“, der gerade in Cannes lief.Weitere Specials
drehen sich um die Themen Marionetten und Fußball. In der Fußballreihe laufen Filme wie „Männer wie wir“, in der Marionettenreihe sind u.a. Filme der Augsburger Puppenkiste zu sehen.Stars
werden natürlich auch erwartet. Die Emder hoffen unter anderen auf Fatih Akin, Peter Lohmeyer, Nina Petri und Thomas Heinze.Das Programm finden Sie im Internet: www.filmfestemden.de
„Wir sind nicht das größte Fest, aber eines der schönsten“, sagen die Emder. Auf Rekordkurs sind sie trotzdem.
Von Karsten Krogmann
EMDEN - Wer in Emden zum Film will, muss zur Volkshochschule gehen. Er kann den Hintereingang nehmen, steigt eine karge Treppe nach oben und klopft vorne links an die Tür. Mit etwas Glück ruft Rolf Eckard „Herein“, der Chef des größten Filmfestivals in Niedersachsen.Eckard sitzt in einem Büro, das aussieht wie das Büro eines ganz normalen Schulleiters. Das liegt daran, das Eckard ein ganz normaler Schulleiter ist, wenn nicht gerade Filmfest ist. Nun ist bald wieder Filmfest, und sein Büro hat ein wenig an Haltung eingebüßt: Auf dem Fußboden stapeln sich wandhoch Drehbücher, auf dem Schreibtisch türmt sich Papier, und ständig kommt jemand herein und würde das Büro gern als Konferenzraum nutzen, aber das geht jetzt ja nicht.
„Wir sind nicht so cool wie andere“, erklärt der VHS-Chef dort nämlich gerade, „und wir sind nicht so auf Medienwirkung aus. Wir sind auch nicht das größte Filmfest in Deutschland“, sagt er, „aber wir sind eines der schönsten.“ Eckard lächelt. Er weiß, dass das, was er gleich sagen wird, pathetisch klingt. „Jeder, der beim Filmfest mitarbeitet, liebt seinen Job“, sagt er es trotzdem.
Silke Santjer zum Beispiel. Sie leitet das Festival gemeinsam mit Eckard, und auch sie ist im richtigen Leben bei der VHS angestellt. Da kümmert sie sich um den Bereich Kultur, zu dem unter anderem ein mehr als 30 Jahre alter Filmclub gehört. Der wollte eines Tages ein „Best-of-Filmclub“ feiern und mietete zwei Kinosäle an. Filmclub-Mitglied Eckard fuhr noch schnell zur Berlinale, um sich ein bisschen umzuhören. Er lernte Bernhard Wicki und Armin Mueller-Stahl kennen, nahm die Stars mit nach Emden, und seitdem gibt es ein Filmfest in der Stadt.
Das ist schon eine Weile her, 16 Jahre genau. Das Filmfest ist gewachsen: Emden ist nicht das größte Festival bundesweit, aber immerhin das größte landesweit. Mehr als 21 000 Besucher kamen 2004, so viele schafft kein anderes Fest im Land.
111 Filme zeigen die Emder, auch das ist Rekord. 17 davon laufen als Deutschlandpremiere, Rekord, sechs als Weltpremiere, noch ein Rekord. Das Filmfest hat Emden international bekannt gemacht, es ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, und das ist der Stadt Geld wert: Die VHS darf nicht nur, sie m u s s jährlich ein Filmfest auf die Beine stellen. „Das Filmfest ist sozusagen ein VHS-Kursus“, scherzt Eckard. Deshalb findet sich in Emden das einzige Schulleiterbüro in Deutschland, wo Filmstars ein- und ausgehen.
Auch die heimische Wirtschaft investiert. Zuletzt hat VW tief in die Tasche gegriffen und den mit 12 000 Euro dotierten Volkswagen-Drehbuchpreis ins Leben gerufen. „126 Autoren haben sich beworben, darunter viele berühmte Namen“, freut sich Eckard. Emden zieht eben.
Warum? „Weil wir kein typisches Festival-Publikum haben, sondern ein ganz normales“, sagt Silke Santjer: „Hier wird über die Filme gesprochen, hier ist Filmfest mitten in der Stadt.“
Wer in Emden beim Film war, nimmt am besten den Haupteingang. Er läuft im Flur an einem alten Bauer-Filmprojektor vorbei, passiert einen Raum voller Filmspulen und tritt auf einen Platz, wo bunte Filmfest-Fahnen im Wind wehen. Links die Bank, vorn die kleinen Läden, überall hängen Plakate. Ja, in der Stadt ist bald Filmfest.
„Jeder, der beim Filmfest Emden mitarbeitet, liebt seinen Job“
Rolf Eckard,Festivalleiter
