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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Feuer und Flamme für Dante

14.03.2015

Oldenburg Stolz bittet Karl-Christian Kretzschmar in seine gute Stube. „Hier ist mein Dante-Zimmer. Ich besitze rund 5000 Bücher, allein 1500 beschäftigen sich mit Dante“, erzählt der 85-Jährige. Und ein Blick in die Regale beweist: Der Dichter Dante Alighieri, der vor 750 Jahren in Florenz geboren wurde, nimmt im Leben des Oldenburgers eine Menge Raum ein.

Keine leichte Kost

„Mit ihm beschäftige ich mich schon seit mehr als 50 Jahren“, blickt der Rechtsanwalt und Notar außer Dienst zurück und zeigt auf eine Dichter-Büste im Wohnzimmer. „Die stand schon in meinem ersten Büro auf dem Aktenschrank“, erzählt der gebürtige Chemnitzer. Doch warum diese Begeisterung für Dante und nicht für Goethe oder Shakespeare? „Das sind für mich die drei Großen der Weltliteratur, die ich mir alle angeeignet habe. Aber Dante hat den Menschen so realistisch geschildert“, erklärt Kretzschmar, warum ihn der Florentiner seit Jahrzehnten fasziniert.

„Wer Dante verstehen will, muss in der Bibel Bescheid wissen“, meint Kretzschmar. „Im Inferno schildert er den Menschen in seiner Bösartigkeit. Und je mehr ich erlebt habe, desto mehr konnte ich sagen: Dante hatte in seinem Realismus Recht.“ Gewalt, Betrug, Verrat – damit hatte Kretzschmar als Jurist immer wieder beruflich zu tun und fand die Entsprechung in Dantes Werk. Doch sehe der Dichter „auch den positiven Ausweg durch Läuterung und verweist auf die göttliche Gerechtigkeit, die allerdings mit der irdischen Rechtsprechung nichts zu tun hat“.

Leichte literarische Kost liefert Dante nicht, das hat Kretzschmar bei der ersten Begegnung als junger Mann erfahren. Von einer Italien-Reise hatte sein Großvater die Übersetzung der „Göttlichen Komödie“ mit nach Hause gebracht. Sie stand im Bücherschrank des Vaters, und Kretzschmar griff zu. „Ich habe nicht viel verstanden“, räumt er ein, aber er gab nicht auf. Er quälte sich durch die ersten Seiten und las parallel eine Biografie zur Einführung. Der Grundstock für das Dante-Zimmer war gelegt.

Das beherbergt inzwischen sogar einige Schätze wie das Faksimile der „Göttlichen Komödie“ – eine vollständige Abschrift des Hauptwerkes von 1336. In Antiquariaten ist Kretzschmar Stammgast. „Ich entdecke immer wieder etwas Neues“, sagt er. Im Jubiläums-Jahr 2015 ist das Ehrenmitglied der Deutschen Dante-Gesellschaft ein gefragter Mann. So nahm das Oldenburger Horst-Janssen-Museum zu ihm Kontakt auf, das im Mai eine Dali-Ausstellung eröffnet. Der spanische Maler illustrierte Dantes literarisches Meisterwerk, so dass die Museumsleute Kretzschmar um fachlichen Rat fragten.

Dafür, dass keine Langeweile aufkommt, sorgen auch die Krimis mit Dante-Bezug. Gern schmökert der Oldenburger zum Beispiel in den Thrillern des US-Amerikaners Dan Brown, der mit seinem „Inferno“ schon im Titel auf den großen Dichter anspielt. Und selbst Comics fehlen in der Sammlung nicht.

In der Hölle schmoren

Die Illustrationen sind aber keineswegs eine neue Erscheinung, da die ersten bereits aus dem Jahr 1440 stammen. Doch auch zu den bunten und etwas schrillen Covern moderner Prägung mit Menschen, die in der Hölle schmoren, greift Kretzschmar zur Abwechslung gern. „Ich mag diesen Zugang“, begründet er: „Schließlich bin ich kein Literaturwissenschaftler, sondern Dante-Liebhaber.“

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