Hude - Etwa dreieinhalb Jahre seiner Lebenszeit will Heinz Zeckel mit dem Schauen von Filmen verbracht haben. Der Kinofan hat in seinen 73 Jahren Lebenserfahrung über 7000 Filme gesehen, sagt er. So ist es nicht verwunderlich, dass das Kino und Filme auch Eingang in sein literarisches Schaffen gefunden haben.
In der April-Lesung in der Huder Klosterremise, die der Freie Deutsche Autorenverband Niedersachsen und Bremen allmonatlich durchführt, war der Bad Iburger Autor Heinz Zeckel zu Gast.
Seine autobiografische Erzählung „West-Bike-Story“, in der der junge Lehrer mit einer Klasse und einem Elternpaar einen Western dreht, mit allem, was dazu gehört, also Cowboys, Indianern, dem Sheriff und natürlich einer tragischen Liebesgeschichte. Mangels Pferden werden diese durch Fahrräder ersetzt. Zeckel selbst spielt den Indianerhäuptling und soll als solcher irgendwann einfach nur dastehen und schauen. Obwohl Zeckel beim „Dastehen und Schauen“ an nichts gedacht hatte, wurden in den entsprechenden Szenen seinem Gesichtsausdruck Emotionen unterstellt, die stets passten.
Kino sei reine Illusion, die Bedeutung des Films entstehe im Kopf der Zuschauer – und doch bilde diese Illusion in den Köpfen eine real existierende Welt, die Menschen zutiefst beeindrucke und beeinflusse. Der Körper könne zwischen realen und imaginären Situationen nicht unterscheiden, so der Autor. Besonders deutlich wurde das in seinem Gedicht „Aktivurlaub im Kinosessel“, das fast nur aus Filmtiteln besteht und die Zuschauer zum Lächeln brachte.
Zum Schluss las Zeckel die Geschichte „Mein großer Freund Shane“ vor. Als Kind wollte er diesen gleichnamigen Western unbedingt im Kino sehen, doch weil der spät lief, verboten seine Eltern dies. Der Junge rächte sich über lange Zeit hinweg mit Liebesentzug. Erst als Erwachsener konnte er den Film sehen, aber da war inzwischen sein Schauspieler-Held Alan Ladd „auf Puppengröße zusammengeschrumpft“.
Ein wunderbares Thema und ein wunderbarer Abend sei das gewesen, so waren sich die Zuhörer anschließend einig – und allemal so gut wie ein Kinobesuch.
