Bremen - Der schönste Moment des Abends gehörte sicherlich Maria Schrader. „Wenn ich nur manchmal die Person bin, die du da beschreibst, dann bin ich sehr stolz“, sagte die Trägerin des Bremer Filmpreises am Donnerstagabend sichtlich ergriffen, nachdem ihr Freund und Weggefährte Henri Hüster seine Laudatio aus den Erinnerungen an gemeinsame WG-Zeiten, insbesondere der Zeit in Maria Schraders „Gammelzimmer“ gestrickt hatte. Dort habe man zu seinem Erstaunen nicht gegammelt, sondern gearbeitet, diskutiert und Backgammon gespielt. Er habe die Klarheit ihres Denkens bewundert, ihre Menschlichkeit, ihr Engagement. Denken und Diskurs, so Hüster, fänden im Werk Maria Schraders zu ungewöhnlicher Schönheit und Eleganz.
Das Publikum im Bremer Theater bekam bei der Filmfestgala damit keine marmorierte Galionsfigur des jüngeren deutschen Films vorgesetzt, sondern eine stetig mit sich ringende Künstlerin. Sie sei durch ihren Beruf eben keine „Kapazität“, die noch spät in der Nacht die Vokabeln ihres Fachgebiets herunterbeten könne, erklärte die 57-Jährige. Sie sitze immer wieder aufs Neue an Stoffen und frage sich: „Was? Was? WAS?!“
Emmy und Mops landen bei Maria Schrader in der Kiste
Nicht, dass Maria Schrader sich durch Preise noch blenden ließe. Den Emmy, den sie 2020 als erste Deutsche für die Regie der Miniserie „Unorthodox“ gewonnen hatte, habe sie in eine Kiste verfrachtet, gab Schrader kürzlich zu. Und der goldene Mops des Bremer Filmfests werde wohl ebenfalls in einer Kiste landen. „Irgendwie muss man Preise auch überwinden und mit ihnen klarkommen.“ Bislang scheint das gut zu gelingen. Seit den frühen 1990er Jahren ist Maria Schrader als Schauspielerin durch Filme wie „Bin ich schön?“ (1998) oder „Aimée und Jagur“ (1999) in Deutschland bekannt. Als Regisseurin erlangte sie durch „Vor der Morgenröte“ (2016) internationale Anerkennung, zuletzt wurde ihr die Regie zu „She Said“ (2022) anvertraut. Der Film erzählt die Geschichte des Me-Too-Skandals in den USA nach dem Buch von Jodi Kantor und Megan Twohey.
Für das Bremer Filmfest dürfte ihr satirischer Film „Ich bin dein Mensch“ (2021) eine Schlüsselrolle einnehmen, denn der goldene Mops soll in Gedenken an seinen Schöpfer Loriot auch den Humor eines Werks würdigen. Der bereits 2011 verstorbene Vicco von Bülow, der als Loriot lange in Bremen wirkte, wurde am Abend mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Sein Enkel Leopold von Bülow-Quirk nahm den goldenen Ehrenmops stellvertretend für ihn entgegen und würdigte Bremen als kreativen Schaffensort seines Großvaters.
Abschied von Elke Peters
Der Abschied von der kürzlich verstorbenen Filmproduzentin Elke Peters („Am Tag als Bobby Ewing starb“, 2005) wird für viele Bremer Filmschaffende der bewegendste Moment des Galaabends gewesen sein. Festivalleiter Matthias Greving erinnerte daran, dass es in Bremen kaum jemanden geben dürfte, die oder der nicht einmal mit ihr zusammengearbeitet hätte. Elke Peters war am vergangenen Sonnabend im Alter von 78 Jahren gestorben.
Das Filmfest läuft noch bis Sonntag und zeigt insgesammt mehr als 100 Filme aller Genres. Ausgezeichnet werden die nominierten Produktionen in den vier großen Wettbewerbskategorien Humor/Satire, Innovation, Bremer Film und Deutschlandpremiere. In den Wettbewerben vertreten sind Filme aus Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika. Auch Produktionen aus Niedersachsen und Bremen sind im Wettbewerb vertreten.
