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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ein Mann stellt sich seinem Kindheitstrauma

15.09.2019

Jan Bonnys „Wir wären andere Menschen“ ist: auf der Rückbank eines Autos sitzen, den Darstellern im Café über die Schulter gucken und immer wieder bruchstückhaft einer Nocturne Chopins lauschen.

Kristina Wassiljew (24) studiert Germanistik und Kunst & Medien an der Uni Oldenburg. (Bild: Filmfest Oldenburg)

Fahrlehrer Rupert Seidlein (Matthias Brandt) musste als Jugendlicher mit ansehen, wie seine Eltern und sein bester Freund von zwei Polizisten erschossen wurden. Die Beamten wurden von jeglicher Schuld freigesprochen. Als erwachsener Mann kehrt Rupert mit seiner Frau Anja (Silke Bodenbender) in sein Heimatdorf zurück und stellt sich dort seinem Kindheitstrauma.

„Wir wären andere Menschen“ versucht weder technisch perfekt zu sein, noch will er perfekte Menschen zeigen. Dieser Film steht blank vor dem Publikum, zeigt echte Menschen und Situationen und ermutigt unaufdringlich dazu, diese zu verstehen.

Was dabei verloren geht, ist eine nachvollziehbare Vorgeschichte. Das nimmt vor allem dem Anfang des Films einiges an Glaubwürdigkeit. Sieht man jedoch wortwörtlich darüber hinweg, wird schnell klar, dass der Plot in der Vorgeschichte eher ein Mittel zum Zweck ist – und der Authentizität in der Jetzt-Zeit interessanterweise keinen Abbruch tut.

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Reisen in die Vergangenheit: Fahrlehrer Rupert Seidlein (Matthias Brandt) mit seiner Frau Anja (Silke Bodenbender) (Foto: Filmfest Oldenburg)

Diese Authentizität schafft der Film mit durchweg guten schauspielerischen Leistungen, die die Echtheit der Charaktere hervorragend zum Ausdruck bringen.

Die Rückblenden sowie die musikalischen Untermalungen wirken inkonsequent, irritieren den Zuschauer, sind fabelhaft darin, die gedankliche Zerstreuung Rupert Seidleins zu demonstrieren.

Eine unruhige Kameraführung, die auf Augenhöhe zu den Darstellern ausgerichtet ist, sowie verstreute melancholische Musikstücke zeichnen den Film technisch aus.

Die Welt des Geschehens ist ein kleines Dorf, ein eigener Mikrokosmos mit Bewohnern, die alle in der Vergangenheit festzusitzen scheinen und in leidvollen Erinnerungen schwelgen, bis Rupert aufsteht und der Vergangenheit den Kampf ansagt.

Jan Bonny ermöglicht dem Publikum mit seinem Werk, voyeuristisch zu sein und eine Melancholie zu genießen, die nicht erdrückend ist. Wer sich für diesen Film entscheidet, wird mit den extremen Folgen einer ewigen Frage konfrontiert: Was wäre wenn?

Beim Filmfest Oldenburg ist „Wir wären andere Menschen“ am Samstag, 19 Uhr, in der Exerzierhalle, und am Sonntag, 14.30 Uhr, ebenfalls in der Exerzierhalle am Pferdemarkt in Oldenburg zu sehen.

SPEZIAL: Alles zum Filmfest Oldenburg

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