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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Landet eine Nasa-Rakete in der indonesischen Einöde

14.09.2019

Blaues Licht. Ein Waschmaschinenbullauge. Dahinter ein Gesicht, es ist Simans (Gunawan Maryanto). Ein indonesischer Reisbauer und Astronaut, der durch die Luke seiner selbstgebauten Rakete, die im Garten seines Hauses steht, sieht. Was zunächst verrückt klingt, ist alles andere als das. Denn Siman ist kein verrückter, sich stumm stellender Tänzer, der in Zeitlupe und einem selbst konzipierten Astronautenanzug durch das ländliche Indonesien schwebt.

Mafalda Nogueira (22) studiert Germanistik und Sozialwissenschaften an der Uni Oldenburg.

Willkommen in den Sechzigern – während sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im „space race“ befinden, ist Siman hautnah dabei, wie eine Nasa-Rakete in der indonesischen Einöde landet. Vielleicht ein US-amerikanischer Propaganda Coup, vielleicht ein Fictionfilmdreh, eins ist sicher: Dieses spektakuläre Ereignis bedeutet für den indonesischen Reisbauern leider zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Als Augenzeuge der fingierten Mondlandung wird Siman mundtot gemacht, indem er sich selbst die Zunge abbeißen muss.

Zum 50. Jahrestag der ersten Person auf dem Mond, subtil gespickt mit dem bis heute nie geleugneten Genozid im Indonesien der Sechziger Jahre und dem ersten indonesischen Präsidenten Sukarno als Nebencharakter, lässt „The Science of Fictions“ tief blicken, ohne dafür bedeutungsschwangere Dialoge zu benötigen. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird in glasklarem Schwarz-Weiß und mit beeindruckender Kameraführung ein aus Fiktionen collagierter Abschnitt der Geschichte Indonesiens gezeichnet. Durch den stummen Protagonisten, der sich seit seiner Teilhabe am inszenierten, wohl größten wissenschaftlichen Durchbruch der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Zeitlupe bewegt wie ein Astronaut, wiegen die Reaktionen seiner Mitmenschen schwerer als es Worte könnten. Ohne seine Gefühle oder Gedanken zu erfahren, taucht man in Simans Welt ein, in der seine Wahrheit gleichermaßen alles bedeutet, und doch nur eine von vielen zu sein scheint.

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Maximal entschleunigt schafft es das Indie Drama unter der Regie von Yosep Anggi Noen in 106 Minuten ausgewogener Atmosphäre, ohne ein retardierendes Moment Spannung aufzubauen. Viel eher ist das Unerhörte, das Problem, die ganze Zeit da und niemand sieht es.

Beim Filmfest Oldenburg ist „The Science of Fictions“ am Samstag, 19 Uhr, und Sonntag, 16.30 Uhr im Cine k zu sehen.

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