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Midnite Xpress Beim Filmfest Oldenburg Um Mitternacht geht`s los

Klaus Fricke

Oldenburg - Wenn es dunkel wird im September in Oldenburg, dann dürfen Kinofans sich freuen. Denn dann, mitten im Filmfest, ist Zeit für die Festival-Reihe „MidniteXpress“. Diese kleine, aber feine Nebenschiene des großen Spektakels, einst gestartet als nächtliche Unterhaltung für Leute mit Nerven wie Stahlseile, hat sich längst zu einem hochwertigen Fest im Fest gemausert. Fünf Filme irgendwo zwischen gehobenem Thriller und schöngeistigem Horror starten diesmal im „Midnite Xpress“.

Midnighters

Der Filmtitel zur Festivalserie – und mehr: Das erste Kinostück des Fernsehregisseurs Julius Ramsey (u.a. „The Walking Dead“ und „Battlestar Galactica“) ist ganz harter Stoff. Auf der Heimfahrt von einer Silvesterparty verursachen Lindsey und Jeff einen Unfall, bei dem ein Unbekannter lebensgefährlich verletzt wird. Sie nehmen den Halbtoten mit nach Haus, unsicher, was zu tun ist. Dort wird der Bedauernswerte versehentlich endgültig getötet – von Lindseys Schwester Hannah. In bester Hitchcock-Manier beginnt ein Strudel schicksalhafter Ereignisse, die am Ende auf unglaubliche Weise zusammengehören. Der hochgradig spannende Thriller lebt davon, dass die Konstellationen unter den Hauptpersonen ständig wechseln, dass Gut und Böse nicht zu identifizieren sind. Das Kammerspiel der Menschen in einem Haus und einer Nacht klappt prima, und aus allen sticht, ja sticht, Lindsey (gespielt von Alex Essoe) deutlich heraus.

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Fashionista

Der zweite Filmfest-Auftritt von Alex Essoe, diesmal in einer, wenn auch entscheidenden, Nebenrolle. Im Mittelpunkt dieses Psychodramas von Regisseur Simon Rumley steht die überragende Darstellerin Amanda Fuller als Textilfachverkäuferin und Kleiderfetischistin April. Als sie sich für den Seitensprung ihres Gatten Eric rächen will und mit dem narzisstischen, aber superreichen Schönling Randall eine Affäre beginnt, ist dies ihr Ticket in eine traumatische Welt aus Sex, Mord und Psychosen. Für April droht der Verlust ihres Verstandes … oder ein Fortleben unter anderen Umständen. „Fashionista“ thematisiert die Sucht nach Schönheit und den Hang zu unersättlichem Konsum, indem der Film seine Hauptdarstellerin von einem Übel ins nächste schickt. Amanda Fuller füllt sie alle mit Grandezza aus – schauspielerisch gesehen.

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Spit’n Split

Was soll ein lustig gemeinter Film über eine Rockgruppe im „Midnite Xpress“? Man mag diese Frage stellen, etwa 20 Minuten lang. Doch dann passt alles, dann entgleist die Geschichte über die Tournee der belgischen Experimental Tropic Blues Band ins Surreale. Aus dem fiktionalen Dokumentarfilm wird zunächst das Psychogramm der Gruppendynamik unter fünf extrovertierten Musikern und dann ein Horrortrip, aus dem keiner unversehrt zurückkehrt. Der Film von Jerome Vandewattyne, der im Fortgang der Handlung selbst zum Opfer wird, mag ein Mockumentary sein – doch wer schon einmal mit einer Band auf Tournee war, weiß, wie nahe diese blutige Fiktion der banalen Realität des Rock’n’Roll kommt.

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A Thought of Ecstasy

Ein Film wie gemalt für das Oldenburger Festival: Bei „A Thought of Ecstasy“ führte R.P. Kahl, langjähriger Dauergast des Filmfestes, Regie, übernahm Deborah Kara Unger, auf dem OLB-„Walk of Fame“ sterngekrönte Hollywood-Aktrice, eine Hauptrolle und schrieb Festivalchef Torsten Neumann zusammen mit Kahl das Drehbuch. Geschildert wird die Suche der Hauptfigur Frank (gespielt von R.P. Kahl) nach seiner eigenen, 20 Jahre zurückliegenden Geschichte. Die Fahrt hinein ins flirrend heiße Death Valley des Jahres 2019 wird für die Protagonisten des Films zu einer Meditation über Sex, Macht und Begierde, über Leben und Tod. Ein durchaus kontroverses Werk, ebenso verwirrend wie aufregend und damit typisch für den „Midnite Xpress“.

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The Endless

Dieser Titel ist Programm: „The Endless“ ist ein Film, den man endlos oft sehen möchte, wegen seiner herrlichen Naturaufnahmen, wegen seiner ständigen Drehungen und Wendungen in der Handlung, und wegen diesem ganzen übernatürlichen Überbau, der diese Geschichte trägt. Wie auch immer, den beinharten Independent-Regisseuren Aaron Moorehead und Justin Benson ist ein Zauberstück fürs Kino gelungen, mit minimalem Budget und noch weniger Spezialeffekten. „The Endless“ handelt von zwei Brüdern (den Regisseuren), die einst als Waisen von Anhängern eines UFO-Todeskultes großgezogen wurden und nun als junge Erwachsene dem Dunkel ihrer Vergangenheit nachforschen. Was folgt, ist Märchen und Science Fiction und subtiler Horror zugleich. Eben all das, was die Mitternachtsreihe im Oldenburger Filmfest ausmacht.

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Filme: The Endless, Fr, 21.30 Uhr und Sa, 23.45 Uhr (theater hof/19)A Thought of Ecstasy, Sa, 21.30 Uhr (theater hof/19), So, 16.30 Uhr (Cine k/Muvi/Uncut)Midnighters, Fr, 23.45 Uhr (Cine k/Studio), Sa, 19 Uhr (theater hof/19)Spit`n`Split, Do, 21.30 Uhr, Fr, 23.45 Uhr (theater hof/19)Fashionista, Do, 19 Uhr (theater hof/19), Sa, 23.45 Uhr (Cine k/ Studio)

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