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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Durch Erfolg die Unschuld verloren

23.08.2017

 – 

Frage: 2016 kam der US- Schauspieler Nicolas Cage als Stargast zu Ihrem Filmfest nach Oldenburg. Können Sie so ein Ereignis überhaupt noch toppen?
Neumann: Nein, eigentlich nicht.
Frage: Liegt es am Geld?
Neumann: Auf so etwas lassen wir uns nicht ein. Außerdem gibt es gar nicht so viele Stars, die in der Kategorie und mit so vielen Filmen international präsent sind.
Frage: Hatten Sie denn für dieses Jahr schon mal jemand im Auge?
Neumann: Ja, tatsächlich. Ich nenne jetzt aber keinen Namen. Wir hatten eine Oscar-Gewinnerin im Auge, und wir hatten fast alles organisiert. Bis wir die Anfrage bekamen, wie es denn mit der Gage aussieht. Da haben wir uns erkundigt, was dieser weibliche Hollywood-Star so bekommt. Es waren 250 000 Dollar! Wir haben natürlich sofort Abstand genommen. Bei den Preisen hätten wir sie einladen können, aber kein Filmfest drumherum mehr gehabt.
Frage: Es ist also doch oft eine Geldfrage, ob man einen Star bekommt?
Neumann: Diesen Zusammenhang gibt es auch, zweifellos. Aber ich muss betonen: Wir haben noch nie eine Antrittsgage bezahlt! Wer eine Gage verlangt, der passt nicht zu unserem Independent-Festival. Wir wollen Darsteller oder Regisseure holen, die für das stehen, was sie hier bei uns vorstellen. Übrigens muss ich betonen, dass Nicolas Cage im vergangenen Jahr keine Gage bekommen hat. Er wollte seine Filme vor Cineasten vorstellen, bei uns.
Frage: Angenommen, Sie hätten doch mal ganz viel Geld übrig – würden Sie sich verführen lassen und dann eine Gage trotzdem zahlen?
Neumann: Nein, ich lehne das generell ab. Es gibt da die Geschichte von Nicole Kidman, die man für das Festival in Rom einlud – sie kam für nur eine Stunde auf den Roten Teppich und bekam angeblich eine Million Dollar dafür. So etwas ist furchtbar.
Frage: Wie war das mit Nicolas Cage? War er ein schwieriger Star, der dauernd nach Champagner verlangte?
Neumann: Nö, der war ziemlich normal. Ein netter und zurückhaltender, auch mal smarter Typ, der sich für das Publikum interessiert und stolz auf seine Filme ist. In einer Beziehung tut er mir fast leid: Er kann nirgends mehr hingehen, ohne dass sich Blicke auf ihn richten.
Frage: Sie haben als Festivalleiter, Programmgestalter und Organisator des Filmfestes alles im Blick. Wächst man mit seinen Aufgaben?
Neumann: Langsam, aber sicher wird es ein wenig viel. Ich muss irgendwann mal ein paar Sachen delegieren, aber dafür braucht man Mitarbeiter mit Erfahrung. Wir sind eben ein kleines Festival, das von der Energie der wenigen Mitarbeiter lebt. Wir sind nicht Profis wie auf der Berlinale. Wir sind flexibel und vor allem: leidenschaftlich.
Frage: Sie machen das jetzt schon zwei Dutzend Jahre – wird man mit der Zeit ruhiger?
Neumann: Vielleicht ein bisschen abgeklärter. Aber das Festival ist in der Wahrnehmung der Cineasten und damit im Renommee mächtig gewachsen. Durch diese Erwartungshaltung ist der Arbeitsdruck viel stärker geworden. Die Unschuld des Anfangs haben wir längst verloren.
Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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