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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Filmfest-Chef zeigt Streifen für waghalsige Grenzgänger

08.09.2017

Oldenburg Die Warnung vorweg: Wer klassisches Erzählkino will, der sollte nicht in diesen Film gehen.

Aber wer es waghalsig mag, wer mal bis an seine Seh-Grenzen gehen will, der sollte reingehen. „A Thought Of Ecstasy“ (sinngemäß: „Ein Gedankenrausch“) ist demnächst auf dem Oldenburger Filmfest zu sehen. Der Film setzt auf Stimmung, auf Assoziation und Atmosphäre, weniger auf eine Geschichte. Das sagt auch Filmfest-Leiter Torsten Neumann. Und der muss es wissen, schließlich war er an dem Spielfilm maßgeblich beteiligt: Er produzierte ihn, schrieb an der Vorlage mit. In einer Szene auf einer Terrasse ist er sogar im Hintergrund zu erkennen.

Hat Neumann ein Problem damit, den eigenen Film auf dem eigenen Filmfest zu zeigen? „Nein“, sagt er. Man habe ja auch schon mehrere Filme von RP Kahl gezeigt, der auch diesmal wieder Regie führte und gleich noch die Hauptrolle übernahm. Diese Hauptrolle, zumindest, ist klar angelegt: RP Kahl spielt Frank, der durch die Wüste Kaliforniens fährt, kraxelt, kriecht auf der Suche nach einer Frau, einer verlorenen großen Liebe, die Marie hieß und plötzlich in einem neuen Buch auftaucht.

Lesen Sie hier ein Porträt über den Filmfest-Chef: Being Torsten Neumann

Und während er der Verlegerin des Buches (Deborah Kerr Unger), einer geheimnisvollen Nina und deren Freundin begegnet, landet er in einem wilden Strudel aus Wahn und Wirklichkeit, aus Strip-Club und flirrender Wüste. Hinzu kommen rötliche Treppenstiege, die eine oder andere Fata Morgana, endlose Straßenfahrten und geheimnisvoll gehauchte Off-Kommentare.

Irgendwann wissen weder Frank noch der Zuschauer, ob man sich im Heute oder in der Zukunft befindet, wenn man nebenher von Studentenaufständen in Sacramento hört. Wir wissen auch nicht, was Frank in „A Thought Of Ecstasy“ eingeworfen hat. Aber er wirkt meist wie auf einem Trip, den wir durch die Schluchten seines Gehirns gefiltert erleben.

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Neumann nennt den Film gern eine „Dystopie“, eine negative Utopie, und tatsächlich darf man nicht auf Szenen voller Glück hoffen. Mental schwingt man eher auf die Leere der Wüste ein. Der Film, betont Neumann, sei „nicht einfach zugänglich“. Das könnte als Untertreibung durchgehen. Der Film ist mehr postmoderne Performance als klassisches Kino, und man kann ihm gewiss nicht nachsagen, zu prüde zu sein – denkt man nur an die Masturbations-Szenen, SM-Spiele oder Sex-Tänzchen. Die Schauspieler geben da alles, zucken vor nichts zurück.

Der Film ist ein Kunstfilm, ein Noir-Streifen, schön düster. Der Film zitiert viel, sagt Neumann. Darunter „Zabriskie Point“ von Michelangelo Antonioni. Aber vor allem geht es um Verführung: um erotische Verführung, um Verführung zum Aushalten von Bildern, um das Einlassen auf Verstörendes. Oder, wie es Neumann ausdrückt: „Man muss sich treiben lassen.“

Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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Oldenburger Filmfest | Filmfest

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