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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Rentner revoltieren gegen täglichen Kräutertee

14.09.2017

Oldenburg Das Beste kommt zum Schluss, könnte man in Anlehnung an einen amerikanischen Spielfilm um ältere Herren titeln: Zum Ausklang des 24. Oldenburger Filmfestivals zeigt man am kommenden Sonntag einen Spielfilm über klapprige Kerle, die einem Altersheim entfliehen wollen, um sich so was wie eine Kommune aufzubauen.

Freiheit! Selbstbestimmung! Revolte! Schließlich kommen die 68er langsam in die Jahre. Der so lustig anmutende Kampf der Alten geht nicht problem- und schmerzfrei über die Bühne, trotzdem ist der Film „Alte Jungs“ über weite Strecken eine Komödie.

Die eigentliche Geschichte des luxemburgischen Streifens erzählt von den älteren Herren Nuckes (André Jung), Fons (Marco Lorenzini), Lull (Paul Greisch) und Jängi (Fernand Fox). Die haben die Schnauze voll davon, herumkommandiert und wie Kinder behandelt zu werden. Die Rentner ärgern sich über schmarotzende Nachkommen, übles Personal in der Seniorenresidenz und andauernd Kräutertee. Sie wollen ausbrechen aus dem Einerlei. Mit von der Partie ist auch der schon ältere Nachtportier, der nebenher Zigaretten im Heim vertickt. Oder der Rentner, der so frech ist, dass er schon aus mehreren Heimen flog. Kein Wunder bei seinen Sprüchen: „Wäre alles nur so steif an mir wie mein Knie!“

Den Traum vom autonom verwalteten Heim stoppt erst mal die Bürokratie. Geld fehlt auch. Aber da planen die Herren einen garantiert sicheren Coup, freilich recht dilettantisch . . .

Regisseur Andy Bausch hat mit „Alte Jungs“ genau den richtigen Titel gefunden. Die Rentner sind irgendwie noch jugendlich keck – in Worten und Taten. Sie sind keine Sieger, sondern oft verarmt und vernachlässigt und garantiert total empfindlich. Besonders was ihr Alter und ihre Gesundheit angeht. Einmal hat Nuckes einen Tobsuchtsanfall und haut verzweifelt auf sein Lenkrad, weil er Herzprobleme hat. Nichts bringt ihm Jugend oder Gesundheit zurück. Als er einen Arzt nach einem Spenderherz fragt, guckt der Mediziner den armen Tropf nur mitleidig an.

Für ein kleines Land wie Luxemburg ein sehenswerter Spielfilm, der von den Darstellern selbst ins Deutsche synchronisiert wurde. Eine lebensbejahende Komödie. Freilich angesichts des Todes.

Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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