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Demo In Jever Filmpalette droht die Schließung

Melanie Hanz

Jever - Knapp 50 Freunde des jeverschen Kinos an der Bahnhofstraße haben am Sonntag für den Erhalt der Filmpalette demonstriert. „Das Kino soll nicht sang- und klanglos sterben“, sagte Wiebke Schönbohm-Wilke, die die Demonstration organisiert hat.

Noch ist indes offen, ob das Kino schließt. An diesem Montag haben die Kinobetreiber Erika und Hans-Joachim Döring ein Gespräch mit dem Eigentümer des Gebäudes, der Firma Gilde Investors mit Sitz in Bad Bentheim. Es geht um den Mietvertrag: Die Dörings – er ist 65 Jahre alt, sie 69 – wollen einen Mietvertrag über fünf Jahre abschließen, Gilde Investors strebt dagegen einen Zehn-Jahres-Vertrag an. „Wir sind beide im Rentenalter und wissen nicht, wie lange wir das Kino noch betreiben können, zehn Jahre Bindung können wir nicht bieten“, sagt Hans-Joachim Döring. Seit 1979 betreibt er mit seiner Frau das Film-Service-Center.

Die beiden wollen das jeversche Kino jetzt digitalisieren, denn die alten Projektoren für die schweren Filmrollen gehören demnächst der Vergangenheit an: Künftig werden Filme von den Verleihfirmen nur noch digital zur Verfügung gestellt. Die Finanzierung der Umrüstung von rund 63 000 Euro steht, 66 Prozent der Kosten werden bezuschusst.

Nachfolgeregelung

Voraussetzung, um die Zuschüsse zu erhalten, ist allerdings ein gültiger Mietvertrag – einigen sich die Dörings mit dem Gebäudeeigentümer nicht auf die Fortsetzung des Pachtverhältnisses, gibt es auch keine öffentliche Förderung.

„Wenn wir das Kino digitalisieren, können wir es in fünf Jahren an einen Nachfolger übergeben“, sagt Döring. Klappt die Digitalisierung nun nicht, gehen im Kino die Lichter aus.

10 000 bis 12 000 Besucher hat das jeversche Kino aktuell pro Jahr. „Davon können wir unsere Betriebskosten finanzieren und es bleibt etwas zum Leben übrig“, sagt Döring. Um sich Kino-Personal leisten zu können, reicht der Umsatz nicht und eine Goldgrube sei das Kino auch nicht – „es ist mehr eine Leidenschaft“.

Im zweiten Kino, das die Dörings seit März 2011 betreiben, dem Filmpalast-Lichtspielhaus in Nordenham, laufe es nicht viel besser als in Jever, allerdings sei die Basis mit dem Vermieter eine ganz andere. Dort läuft der Mietvertrag bis 2016, die Digitalisierung soll mit Hilf des Vermieters bis Mitte Januar abgeschlossen sein. Döring pendelt täglich nach Nordenham, das kostet Zeit und Spritgeld. Würde er mit seiner Frau ganz nach Nordenham umsiedeln, könnten diese Kosten gespart werden.

„Das Kino in Jever stand bisher von unserer Seite aus nie zur Disposition“, betont Döring. „Aber nun denke ich darüber nach, hier zu schließen und nur noch Nordenham zu betreiben.“

Seit Jahren spüren die Dörings den Druck, der auf der gesamten Branche lastet: Die Konkurrenz durch illegale Film-Downloads im Internet macht den Kinobetreibern schwer zu schaffen. Vor allem neue Action-Streifen sind im Internet äußerst begehrt und schnell verfügbar, so dass sich diese Sparte laut Hans-Joachim Döring in den Lichtspielhäusern zu einer wenig lohnenden Randerscheinung entwickelt hat.

Hoffnung auf Erhalt

„Doch nun gibt es Hoffnung“, sagt Hans-Joachim Döring mit Blick auf geplante Gesetze und technische Schikanen, die das Herunterladen von Filmen unmöglich machen sollen.

Auch in Sachen Mietvertrag für das Kino in Jever ist er hoffnungsvoll: „Ich spreche da mit Zarah Leander: ,Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n. . .‘“

Auch die Demonstranten am Sonntag haben Hoffnung: Sie wollen mit den Dörings gemeinsam einen Filmclub oder Freundeskreis gründen, um besondere Kinotage zu organisieren und die Dörings zu unterstützen, zudem soll das Film-Service-Center besser vermarktet werden. „Das Kino wurde bisher noch nie in die Kulturplanung einbezogen“, meint auch Ratsfrau Elke Vredenborg. Dabei sei das Kino etwa bei den Frauen-Kinoabenden der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) stets rappelvoll.

Erika und Hans-Joachim Döring freut die unverhoffte Sympathie- und Solidaritätsbekundung: „Mit einem Förderverein könnten wir für die Zukunft arbeiten.“

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