Ruhwarden - „Die Unvollendete“ ist der Titel einer Symphonie von Franz Schubert. Diesen Titel könnte jetzt auch die Modell-Skulptur bekommen, die seit Ende 2011 an der Ecke Hinterstraße/Meidinger Weg in Ruhwarden steht. Sie symbolisiert ein nicht vollendetes Kunstwerk, das anlässlich des Projekts „Kunst fürs Dorf – Dörfer für die Kunst“ entstehen sollte.

Dass es dazu nicht mehr kommen wird, bestätigte Ursula Löffler, Vorsitzende des Bürgervereins Ruhwarden, auf Nachfrage der NWZ . Man habe das Vorhaben endgültig zu den Akten legen müssen, da eine Finanzierung, wozu wohl über 30 000 Euro hätten aufgebracht werden müssen, nicht realisierbar sei.

Ruhwarden gehörte vor zwei Jahren zu den fünf niedersächsischen Dörfern, die für das Projekt „Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst“ der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft, finanziell gefördert vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, auserwählt wurden. Das Projekt verfolgte das Ziel, Künstler zu veranlassen, Kunst im ländlichen Raum vor Ort im engen Dialog mit den Dorfbewohnern entstehen zu lassen.

Der dafür gebildete Ruhwarder Arbeitskreis hatte sich Anfang 2011 für den Berliner Künstler Fritz Balthaus entschieden. Nach knapp dreimonatiger Tätigkeit stieg der aber im Juni aus dem Projekt aus, weil er sich mit den Ruhwardern nicht auf ein gemeinsames Projekt verständigen konnte.

Einen Neuanfang gab es dann im September mit dem Künstlerduo Gabriele Konsor und Roland Eckelt vom Atelier „Havelblick“ im brandenburgischen Havelland. Während eines intensiven Dialogs mit den Ruhwardern entstand die Vision, die Ruhwarder Deichtreppe zu einem begehbaren Kunstwerk werden zu lassen, indem auf jeder der 51 Stufen jeweils die Eingangsstufe eines Ruhwarder Hauses nachgebildet wird.

Weil weder die bis Ende 2011 verbleibende Zeit noch die übrig gebliebenen finanziellen Mittel reichten, konnte nur eine Modell-Skulptur geschaffen werden. Sie besteht aus drei gemauerten Treppenstufen sowie Informationstafel mit Texten und Zeichnungen.

Versuche, eine Anschlussfinanzierung für die Realisierung des Objekts Deichtreppe bei der Stiftung zu bekommen, oder auch andere Töpfe dafür zu öffnen, seien erfolglos geblieben, berichtete Butjadingens Bürgermeister und Arbeitskreisleiter Rolf Blumenberg. Auch die Gemeinde, die sich bei dem Projekt bereits finanziell engagiert hatte, könne nicht erneut helfen.

Für Ursula Löffler ist aber auch die Modell-Skulptur ein bleibendes sichtbares Zeichen dafür, dass Ruhwarden Teilnehmer eines großen Kunstprojekts war, dass die Bürger im Dorf bewegt habe.