Bremen - Ohne Engagement, aber nicht ohne Beschäftigung: Seit seiner Gründung im Jahr 2005 bietet das Bremer Theater Labor in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule arbeitslosen Theaterschaffenden die Chance, sich weiterzuqualifizieren. Neben dem „werkMünchen“ ist es eines von bundesweit nur zwei Projekten dieser Art.

Derzeit sind zwölf Teilnehmer am Theater Labor beschäftigt, darunter nicht nur Schauspieler, sondern auch eine Kulturmanagerin, eine Theaterpädagogin, jemand für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und eine Filmerin. Nach Schilderung des Dramaturgen Andreas Menzel arbeiteten in den vergangenen Jahren auch Bühnen- und Kostümbildner, Theater- und Veranstaltungstechniker aus ganz Deutschland am Theater Labor.

Voraussetzung sei eine Ausbildung in einem Theaterberuf oder der Abschluss eines einschlägigen Studiums – „und natürlich müssen sie einen Bildungsgutschein von der Bundesagentur für Arbeit vorlegen können“. Eine Altersbegrenzung gebe es nicht.

Die Altersspanne reicht dann auch derzeit von 23 bis 55 Jahren: vom frisch gebackenen Absolventen der Schauspielschule bis zum gestandenen Stadttheaterschauspieler, der etwa wegen eines Intendantenwechsels plötzlich ohne Engagement ist. Um den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, bietet das Theater Labor während der sechsmonatigen Maßnahme nicht nur Sprech- und Gesangsunterricht, Körpertraining und Workshops in Camera-Acting und szenischer Arbeit.

Auch die sogenannten „soft skills“ werden trainiert: Bewerbungstraining steht ebenso auf dem Programm wie der Aufbau einer eigenen Internetpräsenz. Darüber hinaus werden professionelle Bewerbungsfotos gemacht und Trailer, kurze Videos, gedreht. Und nicht zuletzt erarbeiten die Teilnehmer ambitionierte Inszenierungen mit professionellen Regisseuren.

„Da kommen Menschen, die auf einem sehr unterschiedlichen Stand sind, handwerklich wie emotional“, erklärt Regisseur Maik Priebe, der als Dozent arbeitet und gerade mit sieben Schauspielerinnen und Schauspielern des Ensembles das Stück „Auf der Greifswalder Straße“ von Roland Schimmelpfennig inszeniert hat. „Da kann man als Regisseur nicht sagen: Das ist die Idee, so geht’s. So arbeite ich zwar grundsätzlich nicht, aber hier geht das überhaupt nicht.“

Seit 2005 haben rund 300 Teilnehmer eine Maßnahme in Bremen absolviert. Corinna Bruggaier, die das Theater Labor gemeinsam mit Alexander Hauer seit Anfang dieser Spielzeit leitet, weiß zu berichten, dass davon 80 bis 90 Prozent mittlerweile in ihrem Beruf tätig seien.

Es sind dabei nicht zuletzt die Inszenierungen des Theater Labors, die zu Engagements führen. „Gerade das Gesehenwerden ist ganz wichtig“, sagt Dramaturg Menzel. Er erzählt, dass bei der Premiere am Donnerstagabend auch zwei Intendanten im Publikum saßen. Wer weiß, vielleicht geht es ja für manch einen gleich weiter, wenn die Spielzeit im Theater Labor am 20. Oktober endet.