Oldenburg - „Ich sage nichts!“ Zumindest das sagt sie. Die Spenderin des Bildes des einstigen Oldenburger Hofmalers Ludwig Philipp Strack (1761– 1836) will anonym bleiben. Dazu gehört, dass man weder Namen noch Wohnort nennt.

Also sitzt die alte Dame am Dienstagmittag bescheiden und schweigend, konzentriert, aber irgendwie auch stolz in der Ecke des Strack-Saals des Oldenburger Schlosses und sieht sich das fein aufgestellte Ölgemälde an, hört, was Rainer Stamm erklärt.

Der Museumsleiter schätzt sich glücklich und sagt das auch: Die Budgets für Ankäufe sind in öffentlichen Häusern seit Jahren zurückgefahren worden. Auf dem Kunstmarkt explodieren die Preise. Desto wichtiger sind Schenkungen. „Der große Wasserfall im Eutiner Schlossgarten“ ist so eine Schenkung aus einer norddeutschen Sammlung. Der Wert wird auf eine mittlere fünfstellige Summe geschätzt.

Das Ölbild ist für die Dauerausstellung gedacht, es soll keinesfalls, wie Stamm betont, ins Depot wandern. Zu sehen ist ein englisch geprägter Landschaftsgarten. Die Messlatte des Natürlichen sollte man aber nicht zu eng anlegen: Der Wasserfall aus einer künstlichen Grotte wirkt übergroß, die Menschen davor sind hübsch klein ausgefallen. Felsen und Bäume ringsum erinnern zumindest an eine natürliche Landschaft. Vorn flanieren zwei Damen mit Kind vor der edlen Einfalt.

Strack hatte nicht die Absicht, seine Umgebung exakt abzumalen. Stattdessen bevorzugte der Sohn eines Bäckers idyllisch überhöhte und mächtig idealisierte Natur. Strack war von 1799 bis 1836 Hofmaler in Oldenburg, und Herzog Peter Friedrich Ludwig hatte den zu seiner Herrschaft gehörenden Eutiner Schlossgarten dem klassizistischen Parkgeschmack angepasst.

Zuvor hatte Strack von 1787 bis 1794 in Italien gemalt, seine Kunst verfeinert. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751–1829), den sogenannten Goethe-Tischbein, kannte er gut. Heute hängen Stracks Werke in einem großen und einem kleineren Saal im ersten Stock des Oldenburger Schlosses. Die Bilder darin ersetzten früher für die Adligen im Speisesaal den Blick auf den nahen Schlossgarten.

Stracks Gemälde ist eine Schenkung zum 200. Geburtstag des Oldenburger Schlossgartens. Und im gewissen Sinne hat das Werk schon mal ins Oldenburgische geschnuppert: Als Leihgabe in der Schau zum Schlossgartenjubiläum, bevor sich die Eigentümerin entschied, es auf Dauer zu übereignen. Am Dienstag nahm sie Abschied.