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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Flucht aus Tristesse der Provinz

24.11.2014

Wilhelmshaven Wie erstarrt sitzen sie da. Desillusioniert sind Olga, Mascha und Irina am Ende ihrer Möglichkeiten in der russischen Provinz.

Das sah anfangs noch ganz anders aus: Es gab Hoffnungen und Träume. „Nach Moskau!“ lautete die Parole. Ein Ziel, das jedoch von Akt zu Akt in unerreichbare Ferne rückt, wie Eva Lange (Regie) in ihrer Inszenierung der Landesbühne Niedersachsen Nord von Anton Tschechows „Drei Schwestern“ eindrücklich vor Augen führen. Am Sonnabend feierte das Stück Premiere im Stadttheater.

Das Bühnenbild von Carolin Mittler vermittelt die marode Tristesse der Provinz: Vergilbte Tapeten, kein Mobiliar, kaum Requisiten. Nichts, das ablenkt von den Personen, die der Eintönigkeit ausgesetzt sind. „Wir sind Moskauerinnen“, proklamieren die Schwestern Olga (Anna Rausch), Mascha (Aida-Ira El-Eslambouly) und Irina (Zenzi Huber). Doch der trotzige Aufschrei verhallt wie so viele Worte ins Leere.

Das verlangt nach auflockernden Regieeinfällen. Eva Lange streut dezent Komik ein und sorgt so dafür, dass die Stimmung nicht schon im ersten Akt im Depressiven versinkt. Der Namenstag von Irina ist trotz „Happy Nameday“-Gesangs nämlich keine ausgelassene Feier, sondern eher erzwungene Heiterkeit.

Zenzi Huber als Irina wirkt dabei wie ein großes Kind, wenn sie mit großen Augen ihre Geschenke entgegennimmt. Erst nach und nach streift sie ihre Naivität ab. Und so weicht der Traum von der großen Liebe dem Pragmatismus, der sie schließlich einwilligen lässt, den ungeliebten Baron Tusenbach (Robert Oschmann) zu heiraten. Eine Wandlung vom Kind zur Erwachsenen, die Huber schauspielerisch glänzend umsetzt.

Mascha ist bei Aida-Ira El-Eslambouly eine zwar verbitterte, doch auch starke Frau. Fast sieht es so aus, als würde sie sich aus der Enge ihrer Ehe mit Kulygin (wunderbar: Sven Brormann) befreien können. Doch der Versuch bleibt irgendwie stecken, vom Geliebten Werschinin (Thomas Marx) verabschiedet sie sich fast unspektakulär. Am Ende ist das Haar gelöst, doch kein Neuanfang gewagt.

Anna Rausch agiert demgegenüber als älteste Schwester Olga eher unauffällig. Vielleicht, weil der Liebesfrust erst gar keine Chance für Aufregendes bietet? Schwägerin Natalja (Lena Schlagintweit) kann da mit weit mehr amourösem Erfolg aufwarten, erobert sie Andrej (Robert Lang) doch wie im Fluge. Schlagintweit verkörpert, reichlich überzeichnend, eine selbstbewusste Natalja. Dass dabei deren Entwicklung von der Verspotteten zur Triumphierenden in den Hintergrund gerät, ist die einzige Schwachstelle der Inszenierung.

Im Übrigen gelingt es Regie und Darstellern ausgezeichnet, Charaktere zu formen und voneinander abzugrenzen. Bemerkenswert ist auch die zunehmend beklemmende Atmosphäre, an der das sinnfällige Bühnenbild wesentlichen Anteil hat. Langer, verdienter Applaus.


Alle Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
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