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Premiere Flucht ist kein Kinderspiel

Lore Timme-Hänsel

Oldenburg - Toda kennt sich mit Krieg ziemlich gut aus. Sie kann schießen und Bomben werfen. Ihr Vater, eigentlich Konditor, ist schließlich Soldat, um „die einen gegen die anderen“ zu verteidigen. Er tarnt sich dafür als Busch. Aber dann muss Toda das Land ihres Vaters und ihrer Großmutter verlassen und in das Land fliehen, in dem ihre Mutter lebt. Nun kennt Toda sich gar nicht mehr aus. Fremde Menschen stellen Fragen in einer Sprache, die Toda nicht kennt.

Skurrile Omas

Um das aktuelle Thema Flucht und Fremde geht es in dem Kinderstück „Als mein Vater ein Busch wurde“ des jungen Staatstheaters, das am Sonnabend im Spielraum des Oldenburgischen Staatstheaters Premiere hatte. Die 50-minütige Bühnenfassung von Regisseurin Lisa Brüning (für Kinder ab acht Jahren) beruht auf dem gleichnamigen Buch von Joke van Leeuwen, das 2013 für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war.

Flucht ist kein Kinderspiel. Ruckzuck wird das Publikum im Lagerzelt (Bühne und Kostüme: Prisca Baumann) für die Unterbringung in Flüchtlingsheimen in Gruppen eingeteilt und bekommt vielleicht eine leise Ahnung davon, wie sich die Menschen an der griechisch-mazedonischen Grenze in Idomeni oder in anderen Flüchtlingslagern fühlen müssen.

Toda, großartig unbekümmert und energiegeladen gespielt von der erst zwölfjährigen Charlotta Wohlert, ist geldgierigen Schleppern ausgeliefert und muss sich skurriler Ersatzomas erwehren. Ein General im Ruhestand unterzieht sie seltsamen Angst- und Trauma-Tests. Ein Kommandant, der nicht kommandieren kann, ist ihr auch keine große Hilfe, er kennt sich aber zumindest mit den Sternen am Nachthimmel aus.

Alle diese Rollen füllen die Schauspieler Franziska Werner und Klaas Schramm mit großer Spielfreude aus. Einbezogen in die Inszenierung sind Jugendliche, die vor Kurzem ihre Heimat verlassen mussten und eine Sprachlernklasse der Oberschule Ofenerdiek besuchen. Die Videosequenzen stellen die Verbindung zwischen dem durchaus witzigen und unterhaltsamen Spiel und der traurigen Realität her.

Weg über die Grenze

Toda findet einen Weg über die Grenze, landet nach einer merkwürdigen medizinischen Untersuchung vorübergehend in einem Heim für freilaufende Kinder und findet schließlich ihre Mutter wieder. Das hört sich nach einem Happy End an. Doch wie soll sich Toda wie zu Hause fühlen, wenn für sie so wichtige Menschen wie der Vater fehlen?

Das Premierenpublikum hatte die Botschaft verstanden und belohnte die darstellerische Leistung mit lang anhaltendem Applaus.

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