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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Unbekanntes Flugobjekt als Hoffnungsträger

26.01.2016

Oldenburg Ben hat den Blues. Der fast 17-Jährige lebt mit seinem demenzkranken Großvater Karl in Wingroden, einem Dorf mit neun Einwohnern irgendwo in der norddeutschen Pampa, wo der Hund metertief begraben ist.

Ben macht eine Ausbildung zum Gärtner und wäre doch lieber Automechaniker. Lieber heute als morgen würde er mit seinem VW-Bus nach Afrika fahren, aber den tüdeligen Karl im Stich zu lassen, das kommt für ihn nicht infrage.

Wortkarge Bauern

Michael Uhls Bühnenfassung des erfolgreichen Jugendromans „Pampa Blues“ von Rolf Lappert, ins Niederdeutsche übertragen von Cornelia Ehlers, feierte am Sonntagabend Premiere im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Die Mitglieder der August-Hinrichs-Bühne lieferten unter der Regie von Uhl eine geschlossene Ensembleleistung ab, die mit lang anhaltendem Applaus bedacht wurde.

Die Inszenierung gewährt tiefe Einblicke in den Alltagstrott in einem Dorf, das ums Überleben kämpft. Die Charaktere sind bisweilen skurril, aber immer liebenswert gezeichnet. Da sind zum Beispiel die Bauern Kuddel (Thomas Hellmold), Willi (Jürgen Müller) und Otto (Walter Korfé). Wie frisch aus dem Fernsehdorf Büttenwarder importiert, erweisen sie sich in Gestik und Mimik als ein eingespieltes Team. Ihre für den Norden typische wortkarge Gesprächsführung ist ein Hochgenuss.

Dieterfritz Arning hat in der Rolle des demenzkranken Karl zwar wenig Text, ist aber trotzdem immer präsent und setzt seine Akzente. Beeindruckend.

Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Thorge Cramer. Der 19-Jährige, ein Nachwuchstalent aus dem Platt’n Studio des Staatstheaters, wächst in der Rolle des Ben über sich hinaus und trägt das Stück von Anfang bis Ende. Das ist beachtlich. Mit ihrer Unbekümmertheit und bemerkenswerten Ausstrahlung als ebenbürtig erweist sich Sophia Gerdes als Lena.

Die gute Seele des Dorfes ist Anna (Nadine Woinke), verheiratet mit dem kriegstraumatisierten Russen Georgi (Sibo Müller) und unsterblich geliebt von Jojo (Mario Forkel), dem Spezialisten für Liebesfilme. In weiteren Rollen sind Karin Bremermann und Clemens Larisch zu sehen.

Große Pläne

Große Pläne mit dem Dorf hat Maslow (Herwig Dust mit einer energiegeladenen Darstellung und ein paar, der Nervosität geschuldeten Texthängern). Der geschäftstüchtige ehemalige Golfprofi will mit einem Ufo Presse und Touristen ins Dorf locken. Wingroden soll das nächste Roswell werden. Wie der triste Ort im US-Bundesstaat New Mexico soll Wingroden zu Reichtum und Wohlstand kommen.

Doch das unbekannte Flugobjekt der Marke Eigenbau, das Maslow in einigen Nächten in den Himmel steigen lässt, bringt den dörflichen Rhythmus gewaltig durcheinander. Und als dann noch die Kripo wegen des Todes von Georgi ermittelt und die vermeintliche Reporterin Lena auftaucht, läuft nichts mehr nach Maslows Plan.

In einer solchen Situation muss auch das Publikum ran. Wer in der ersten Reihe sitzt, muss damit rechnen, kurzfristig als Fotograf angeheuert zu werden. Und für Ben macht gleich eine ganze Stuhlreihe den Weg frei, damit er den Zug zu Lena noch erwischt.

Aber am Ende wird alles gut. Die Vögel, die Karl einst vertrieben hatte, kehren nach Wingroden zurück, das als Hochzeitsdorf einer hoffnungsfrohen Zukunft entgegensieht. Eine verschworene Dorfgemeinschaft besteht in harten Zeiten. Absolut sehenswert.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Lore Timme-Hänsel
Redakteurin
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2065

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