Brake - „Ich freue mich auf einen Teller Suppe – und zwar nicht nur eine dreiviertel Portion, sondern auf einen ganzen Teller!“ Für diesen Satz erntete die Schortenserin Linda Robbins-Klitsch viel Beifall beim „Red Dinner“, das die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) für Freitag organisiert hatten. Gut 50 Frauen waren der Einladung gefolgt, die vor dem Hintergrund des „Equal pay day“ im Braker Bahnhofsgebäude stattfand.
Forderung nicht erfüllt
„80 Tage später als die Männer haben Frauen so viel verdient wie ihre männlichen Kollegen“, klärte Christa Allen vom AsF-Vorstand die Damen auf. Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit sei immer ein wichtiges Thema der Frauenbewegung gewesen, und dennoch sei diese Forderung bis heute nicht erfüllt, sagte Doris Fuhlbohm sichtlich empört. Die 62-Jähre war von 1994 bis 2013 Gleichstellungsbeauftragte in Schortens.
Am Freitag war sie gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin in Sachen Frauenbewegung, Linda Robbins-Klitsch, als Referentin zu Gast. „Es gibt keinen Aufschrei und keinen Aufstand. Das ist sehr bedauerlich, dass diese Tatsache einfach so hingenommen wird“, sagte Fuhlbohm.
Sie wies die Gäste vor allem auf die „Falle Teilzeitarbeit“ hin. Ein großes Problem sei die Verfestigung der Frauen in Minijobs und Teilzeitarbeit. „Aus denen kommen weibliche Beschäftigte nicht mehr heraus. Und das hat langfristige Folgen für ihre Aufstiegschancen und ihre Alterssicherung“, warnte Fuhlbohm.
Für mehr Selbstvertrauen warb Annegret Schildt, Vorsitzende der Kreisarbeitsgemeinschaft der Landfrauen in der Wesermarsch. „Wir sind uns unserer Stärke gar nicht bewusst“, sagte Schildt. Sie stellte den Gästen auf der Veranstaltung den Landfrauenverband vor. Bundesweit seien 500 000 Frauen in Landfrauenvereinen organisiert. In der Wesermarsch gebe es immerhin rund 2000 Frauen in 15 Ortsgruppen.
Sie hätten bereits einiges erreicht, denn auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben würden Mann und Frau heute als gleichberechtigte Partner arbeiten. Doch dies sei längst nicht immer so gewesen. „Und auch heute verlassen viele Frauen den landwirtschaftlichen Bereich auf Grund mangelnder Arbeitsplätze“, gab die Vorsitzende zu bedenken.
Die Situation der Frauen im technischen Bereich schilderte Andrea Lukes. Sie ist die Vorsitzende des Betriebsrats der Norddeutschen Seekabelwerke in Nordenham. „Dort haben wir das Glück, dass wir tarifgebunden bezahlt werden“, erklärte sie. Somit würden Männer und Frauen die gleiche Bezahlung erhalten.
Gleicher Einsatz
Die Frage sei aber, ob Männer und Frauen auch auf den gleichen Stellen eingesetzt würden, gab Lukes zu bedenken. Von insgesamt 578 Beschäftigten seien dort 476 Männer, teilte sie mit. Von den verbleibenden 102 Frauen seien nur 17 direkt an der Produktion beteiligt. Dies liege einerseits daran, dass dort körperlich schwere Arbeit geleistet werden müsse, andererseits aber auch daran, dass viele Frauen nicht bereit wären im Schichtdienst zu arbeiten, sagte die Betriebsratsvorsitzende. „Frauen müssen sich auch zeigen“, appellierte sie an die Gäste.
Nachdem der ernste Teil des Abends vorüber war, sorgte die Kabarettistin Ute Apitz für den unterhaltsamen Part des „Red Dinners“. Als „Pegasuse“ ging sie in ihrem Kabarett auf vermeintliche Frauenthemen ein.
