Ahlhorn - Eine frisch geräucherte Forelle, zwei Scheiben Schwarzbrot, ein Klecks Meerrettichsahne und ein Stückchen Butter, dazu vielleicht noch ein frisch gezapftes Bier – mehr braucht es nicht, um zahllose Besucher beim Mai(b)rauch der Ahlhorner Teichwirtschaft glücklich zu machen.

In Massen kamen Ausflügler am 1. Mai nach Ahlhorn, um sich die Spezialitäten schmecken zu lassen und auch die eine oder andere Forelle oder einen Aal fürs Abendessen mit nach Hause zu nehmen. Vor allem Fahrradgruppen nutzten die Fischteiche für eine gemütliche Pause, die Sitzeplätze auf dem Hof der Teichwirtschaft waren ab der Mittagszeit voll belegt.

Neben Spezialitäten aus den Teichen gab es in diesem Jahr aber auch Geschichte und Geschichten: Die Kneter Gästeführer machten stündliche Runden über das Gelände der Teichwirtschaft. Sylvia Varnhorn berichtete als eine von ihnen unter anderem von den Anfängen der Fischaufzucht bei Ahlhorn.

„Um 1800 wollte der Herzog von Oldenburg hier Fischzucht betreiben“, berichtete sie. Um das nötige Land zu erhalten, seien die Besitzer einfach enteignet worden, nur teilweise hätten sie eine finanzielle Entschädigung erhalten. „Richtig in die Gänge gekommen ist das hier aber erst nach 1900“, so Varnhorn weiter.

Die Zuleitungen für die Teiche – einst mehr als 50, heute immerhin noch um die 30 – seien per Hand gegraben worden, von Tagelöhnern, Zuchthäuslern und während des ersten Weltkriegs auch von Kriegsgefangenen. Harte Arbeit sei die Aufzucht der Fische, damals wie heute. Dass das Wasser für die Fischteiche zunehmend knapp wird, verheimlichte Varnhorn nicht und mahnte ihre Zuhörer, auch daran zu denken, wie sie selbst mit dem kostbaren Gut Wasser umgehen, ob beispielsweise jede Waschmaschinenladung wirklich sein müsse: „Früher hatte der Bauer seine Arbeitshose den ganzen Winter an, im Sommer wurde sie untergepflügt – die wurde nicht gewaschen“, ulkte die Gästeführerin.

Die Gästeführer hatten beim Touri-Mobil der Gemeinde Großenkneten einen kleinen Spendentopf aufgestellt hatten. „Die Führung ist natürlich kostenlos, aber Sie dürfen uns gerne eine kleine Spende geben“, ermunterte Varnhorn die Besucher vor Beginn der Tour. „Und wenn es Ihnen nicht gefallen hat, nehmen Sie das Geld hinterher einfach wieder raus.“

Das dürfte allerdings kaum einem der Teilnehmer in den Sinn gekommen sein.