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Filmkritik „vadder, Kutter, Sohn“ Norddeutsche Sturköpfe in modernem Heimatfilm

Heide-Marie Göbbel

Frankfurt - Axel Prahl alias Krabbenfischer Knud Lühr hat es faustdick hinter den Ohren. Immer am Rande der Legalität trickst er sich in der Komödie „Vadder, Kutter, Sohn“ durch das Leben. Da vom Krabbenfang kaum noch jemand leben kann, betätigt er sich auch als Buchmacher für illegale Sportwetten und Feng Shui-Wünschelrutengänger.

Der „verlorene“ Sohn

Bei einer Chorprobe tritt plötzlich sein Sohn in die Kneipe, den er viele Jahre nicht gesehen hat. Aus alter Gewohnheit machen Vater und Sohn weiter, wo sie vor zehn Jahren aufgehört haben. Doch bald zeigt sich, dass der Sohn ganz nach dem Vater kommt. Die ARD strahlt die unterhaltsame Friesenkomödie von Volker Krappen (Buch) und Lars Jessen (Regie) am Freitag, 6. Oktober, um 20.15 Uhr aus.

Knuds ganzes Herz hängt am Shanty-Traditions-Chor des Dorfs, dessen Leiter er in vierter Generation ist. Für diesen Tag hat er sich etwas Besonderes überlegt: Er will um jeden Preis die Plakette zum 100-jährigen Bestehen des Chors von der Kreisbehörde bekommen.

Um sein Ziel zu erreichen, will er seine Lebensgefährtin Nadja (Judith Rosmair) als Sängerin in den Männerchor einbringen und überwirft sich deswegen mit seinem Kompagnon und Freund, dem alten Krabbenfischer Addi (Peter Franke).

Als Knuds „verlorener“ Sohn Lenny (Jonas Nay) überraschend in der Dorfkneipe auftaucht, läuft alles schief. Lenny ist ein erfolgreicher Starfriseur in Hamburg geworden und will in seinem Heimatkaff angeblich nur sein altes Banjo abholen. Das jedenfalls glaubt Knud.

Zwischen Nostalgie und Neuanfang

Zum Prüfungstermin tritt der Shanty-Chor vollzählig zum Vorsingen an, aber Addi vergisst den Text. Der Traum von der Plakette scheint wieder in weite Ferne zu rücken. Knud reicht es jetzt, er wirft seinen Sohn - dem die Schnäpse von den Begrüßungsrunden nicht gut bekommen sind - auf den Pickup und fährt nach Hause.

Im Kinderzimmer schläft Lenny seinen Rausch aus. Er ist gerührt, weil das Zimmer noch aussieht wie früher, und trotzdem kriegen sich Vater und Sohn schnell wieder in die Haare. Knud trickst weiter und nimmt es auch seinem Sohn gegenüber nicht so genau mit der Wahrheit. Erst als Lenny ihn mit ein paar unangenehmen Tatsachen konfrontiert und ihn einfach stehen lässt, dämmert ihm, dass sich etwas Entscheidendes ändern muss.

Er fährt Lenny nach, um in Hamburg mit ihm zu reden, und sieht, dass der Friseursalon inzwischen jemand anderem gehört. Wieder an der Küste sucht Knud Trost bei seiner Gitarre und singt den Ohrwurm, den der „Element of Crime“-Gitarrist Jakob Ilja für den Film komponierte.

In der Story überzeugt der Song nicht nur die Behördenvertreterin, sondern auch den samt Banjo wieder aufgetauchten Lenny. Dieser liebäugelt mit der Idee, sich eventuell mit Merle Getjens (Anna von Haebler), der Dorfpolizistin, an der Nordseeküste eine neue Existenz aufzubauen.

Mehr Lebensfreude als man denkt

Was als moderner Heimatfilm mit zwei friesischen Sturköpfen angekündigt ist, die stumm über die Dithmarscher Kohlfelder stapfen und kaum sechs Sätze am Tag reden, hätte leicht dröge ausgehen können. Aber Axel Prahl, geboren in Eutin, eignet sich hervorragend als norddeutsches Original.

Er und der Lübecker Jonas Nay gestalten die schlichte Story mit viel Spaß und wenig Heimatfilm-Tümelei. Auch der Kieler Regisseur Lars Jessen und der Hamburger Autor Volker Krappen brachten viel Persönliches mit ein und machten aus den Dreharbeiten im Herbst 2016 in Dithmarschen und Hamburg ein Heimspiel.

Darsteller und Macher brauchen nicht viele Worte, um ihre Vertrautheit mit dem Menschenschlag an der Küste spürbar zu machen. Der Film enthält eine Menge Lokalkolorit, ohne touristisch-plakativ zu wirken. Mit zum Besten gehört die Musik mit den selbst interpretierten Shantys des Dorfchors und dem Ohrwurm von Jakob Ilja.

In norddeutschen Sturköpfen verbirgt sich mehr Lebensfreude als man denkt, lautet die Botschaft. Insgesamt eine gelungene, oft überspitzt gezeichnete Komödie, die gute Laune macht, auch wenn es ein bisschen dauert, bis das Ganze in Schwung kommt.

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