FRANKFURT/MAIN - Charakterdarsteller Axel Prahl beweist sich in einer Glanzrolle. Der Film läuft heute in den Kinos an.

Von Wolfgang Hübner

FRANKFURT/MAIN - Wie man gute Literatur in herausragendes Kino verwandelt, beweist Andreas Dresen mit seinem neuen Film „Willenbrock“ nach dem Roman von Christoph Hein. Und wie spannend deutsche Realitäten der Gegenwart auf die Leinwand gebracht werden können, zeigen Dresen und seine Drehbuchautorin Laila Stieler auch.

In 108 Minuten begegnen die Zuschauer einem Mann, der es geschafft hat: Der wohlhabende Magdeburger Gebrauchtwagenhändler Willenbrock ist ein Wendegewinner, hat eine nette Frau und strotzt vor Selbstbewusstsein. Dazu tragen nicht nur pikante außereheliche Affären bei, sondern das immer wieder bestätigte Gefühl, alles und alle im Griff zu haben.

Willenbrock kommt dennoch in eine Lebenskrise, die sich unspektakulär ankündigt, einen dramatischen Höhepunkt hat und schließlich seine ganze Existenz in Frage stellt. Sehr geduldig und sensibel, aber mit unbeirrbarer Konsequenz zeigt der Film, wie ein Mann durchs Feuer geht und sich verbrennt.

In Axel Prahl hat Dresen für die Titelfigur den idealen Schauspieler gefunden. Schon in Dresens hintergründiger Komödie „Halbe Treppe“, die ebenfalls in Ostdeutschland spielte, war Prahl als betrogener Ehemann die herausragende Figur. Inzwischen ist der dynamische Holsteiner ein begehrter Fernsehstar geworden.

Im Gegensatz zu anderen dieser Zunft kann der körperlich kleine, dabei aber wuchtig und im besten Sinne volkstümlich wirkende Prahl seine wahre Stärke erst auf der großen Leinwand demonstrieren – nämlich die Intensität und Präsenz seiner Menschendarstellung.

Prahl macht diesen Willenbrock zu einer glaubwürdigen Figur und damit den Film in jeder Sekunde sehenswert. Er agiert allerdings auch in einem Team von Schauspielern, die ohne Ausnahme ihre Rollen ausfüllen. Und das mit dem Willen zum realistischen, übertriebene Theatralik vermeidenden Spiel. Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil alle drei Hauptdarstellerinnen klangvolle Namen auf deutschen Bühnen haben: Inka Friedrich als Willenbrocks Frau Susanne, Anna Ratte-Polle als junge Geliebte Anna und Dagmar Manzel als ältere Geliebte Vera.

Es ist die Kunst Dresens, mit „Willenbrock“ ohne politische Zeigefinger-Pädagogik zugleich einen Film über einen verunsicherten Mann wie auch über ein verunsichertes Land und seine brüchig gewordene Gesellschaft geschaffen zu haben.

Zur Realistik trägt entscheidend die Ortswahl von Dresens Filmen bei: War es bei „Halbe Treppe“ der Grenzort Frankfurt/Oder, so ist es nun die Peripherie von Magdeburg, einer von Krieg und DDR-Zeit geprägten Stadt.