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Tennishalle in Westerstede brennt

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Vom Kulturkritiker zum Weisheitslehrer

20.07.2019

Frankfurt /Main Es ist gespenstisch: „Schöne neue Welt“, der Literaturklassiker von Aldous Huxley aus dem Jahr 1932, scheint immer aktuell zu bleiben. Konsum ist in dem gesellschaftskritischen Buch das wichtigste Ziel eines totalitären Weltsystems. Huxley (1894–1963) hat seine Dystopie in das „Jahr 632 nach Ford“ oder 2540 nach Christus verlegt, und was er damals voraussagte, trifft noch immer einen Nerv.

Demnächst soll der Roman erneut verfilmt werden, als Serie von USA Network mit Jessica Brown Findlay (Downtown Abbey) und Harry Lloyd (Game of Thrones) in den Hauptrollen. Der „Fordismus“ – die industrielle Massenproduktion – regiert die Welt im berühmtesten Werk des Schriftstellers, der vor 125 Jahren im englischen Städtchen Godalming/Surrey geboren wurde. Als der amerikanische Industrielle Henry Ford sein erstes Ford Model T in Detroit produzierte, war Huxley 14 Jahre alt – und verlor im selben Jahr seine Mutter.

Kulturpessimistisch

Kinder aus der Retorte, die mit Elektroschocks darauf konditioniert werden, die alten Kulturwerte zu vergessen, eine euphorisierende Droge, die frustrierte Querdenker neutralisiert, die allgemeine Verfügbarkeit von Sex und die Verdrängung des Todes: So sieht die Diktatur in „Schöne Neue Welt“ aus.

Huxley war nicht der Einzige, der nach dem Ersten Weltkrieg und ein Jahr vor Hitlers Machtübernahme einen kulturpessimistischen Abgesang anstimmte. Oswald Spengler hatte zuvor den „Untergang des Abendlandes“ beschworen, George Orwell veröffentlichte später seine zeitkritischen Werke „Farm der Tiere“ und „1984“. Die „verlorene Generation“ machte sich Luft.

Hineingeboren in eine Familie voller Wissenschaftler und Kulturschaffender hatte Huxley stets ein anregendes Umfeld: mit einem berühmten Evolutionstheoretiker als Großvater, einem prominenten Dichter und Kritiker als Onkel, einer viktorianischen Romanschriftstellerin als Tante. Er besuchte das College Eton und studierte Literatur in Oxford. Sein Bruder Julian, ein Zoologe, wurde Generaldirektor der Unesco, sein Halbbruder Andrew, ein Mediziner, erhielt kurz nach Huxleys Tod den Nobelpreis.

Sein erster Gedichtband „The Burning Wheel“ erschien 1916. Schon 1928 veröffentlichte Huxley, durch eine frühe Augeninfektion fast erblindet, mit seinem Roman „Point Counter Point“ eine viel beachtete Gesellschaftsanalyse. Wie immer versuchte er, Roman und Essay miteinander zu verschmelzen.

In seinem umfangreichen essayistischen Werk bewegt er sich virtuos und mit stilistischer Eleganz durch die abendländische Kulturgeschichte. Das gefiel nicht jedem: Kollege Ernest Hemingway lehnte solch „intellektuelles Gegrübel“ ab.

Erzählungen, Reiseberichte, Biografien und Theaterstücke zählen zu dem vielseitigen Werk des Schriftstellers. Doch kaum war er auf dem Gipfel des Ruhms, brach er mit der rationalistischen Tradition Europas und wandte sich östlichen Weisheitslehren zu. Er hielt Plädoyers für den Weltfrieden und legte 1936 mit „Geblendet in Gaza“ einen pazifistischen Roman vor. 1937 wanderte er mit seiner Ehefrau Maria Nys und seinem Sohn Matthew nach Amerika aus, denn Europa sei „kein Ort für Pazifisten“.

Buddhistische Weisheit

In Hollywood lernte Huxley den buddhistischen Weisheitslehrer Jiddu Krishnamurti kennen. In seinem Bericht „Die Pforten der Wahrnehmung“ beschrieb er die bewusstseinserweiternde Wirkung des damals legalen Halluzinogens Mescalin, das unter den Hippies der 60er Jahre beliebt war. Nach dem Tod seiner Frau heiratete Huxley die Geigerin und Psychotherapeutin Laura Archera. Mit ihr tourte er durch Indien und Lateinamerika, sprach auf europäischen Kongressen über buddhistische Selbsterlösung.

1960 erkrankte er an Kehlkopfkrebs. Ein Jahr später vernichtete ein Buschfeuer sein Haus samt Manuskripten und Bibliothek. Am 22. November 1963 starb Huxley, nachdem ihm seine Frau auf seinen Wunsch hin eine tödliche Dosis LSD injiziert hatte. Es war derselbe Tag, an dem John F. Kennedy ermordet wurde. Huxleys Asche wurde im Familiengrab auf dem Friedhof von Compton/Surrey beigesetzt. Igor Strawinsky widmete seinem Freund seine letzte Komposition: Die „Variations“ wurden 1965 in Chicago uraufgeführt.

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