• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

ARD-Film ist „Verneigung vor dem Leben“

30.09.2017

Frankfurt /München Wer eine Ahnung bekommen möchte von den Verhärtungen, Ängsten und Hoffnungen, die das Leben bereithält, der muss ins Gesicht von Christiane Hörbiger schauen. Sie spielt Katharina Krohn, die im gleichnamigen ARD-Film „Die letzte Reise“ unternehmen will - am kommenden Montag, 2. Oktober, ab 20.15 Uhr. Ihr Körper lässt Katharina immer wieder im Stich: Sie stürzt, sie ächzt, braucht Krücken; und wenn sie malen möchte, dann wirft die Arthrose ihr den Pinsel aus der Hand.

Doch nicht deshalb möchte Katharina sterben. Ihr Leben sei gelebt, darauf beharrt sie. Es sei ein wunderbares gewesen, doch neue Wunder kämen nicht mehr. Verträumte Rückblenden suggerieren, der lange zurückliegende Tod ihres Ehemannes Albert könnte bei Katharinas Entscheidung eine größere Rolle spielen als sie zugibt. Und dann sind da noch die Wunder der Familie, die anhalten und die so kluge wie störrische alte Dame gleichwohl gewaltig piesacken: Ihre Töchter Maren (Nina Kronjäger) und Heike (Susanne von Borsody) sind entsetzt über die Pläne ihrer Mutter, nachdem Heike den Brief eines Schweizer Sterbehilfevereins in deren Wohnung gefunden hat.

Diese Geschichte ist nur eine von mindestens zweien, die das Drehbuch von Thorsten Näter erzählt. Und sie dreht sich in durchaus beispielhaft entworfener Weise um letztlich juristische Fragen rund um eine extreme Art der Selbstbestimmung, die für die Nächsten wie grausamer Egoismus aussehen mag. Heike, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder um ihre Mutter gekümmert hat, sieht den Entzug der Mündigkeit als letzten Ausweg, Katharinas Selbstmord zu verhindern. Und ausgerechnet Maren, die ständig beschäftigte Juristin, lässt sich breitschlagen, die Mutter gegen ihre Schwester bei Gericht zu vertreten.

Auf dieser Seite der Erzählung ist mindestens der familiäre, eigentlich sogar der gesellschaftliche Aspekt des Themas zu Hause. Und wesentlich ist es den Darstellern zu verdanken, dass sie so hölzern und schablonenhaft eben doch nicht ausfällt, wie sie konzipiert wurde. Auch wenn Katharina eine schlagfertige Süffisanz an den Tag legt, wenn sie den Gutachter zurück begutachtet und ihren Pfleger nur halb im Spaße schikaniert, so lässt Hörbiger sie doch häufig eine starre Maske der Abweisung über ihr Gesicht legen - eine Härte, die für ihre Außenwelt und auch und gerade für ihre Töchter nicht zu durchdringen ist. Eine Methode des Selbstschutzes ist das, würde Katharina selbst sagen. Von Enkelkindern ist kurz die Rede, bedeutend scheinen sie in diesen Augenblicken aber nicht zu sein - weder für die Großmutter noch für ihre Mütter.

Burghart Klaußner spielt den Züricher Arzt Jean Jovet. Foto: Arne Dedert/dpa

Und dann ist da noch die zweite Geschichte, die persönlicher, auch sinnlicher ist, in der schmackhaftes Ossobuco lockt und das Panorama vom Säntis - zwei von den Dingen, für die es sich vielleicht zu leben lohnt. Der Züricher Arzt Jean Jovet bringt Katharina beides wieder nahe. Sanfte Autorität und einen ganz und gar genießerischen Charme vermischt Burghart Klaußner in seiner Interpretation dieser Rolle. Er lässt klar spüren: Die zwei Gespräche, die Jovet vor dem möglichen letzten Gang Katharinas mit ihr führen muss, sind weit mehr als eine Pflichtübung für ihn.

Tatsächlich gelingt es Jovet, ein gelegentliches Lächeln auf Katharinas Gesicht zu zaubern, einen Anflug von Neugierde, der ein furchtsames Staunen verdrängt. Man sieht es fast nur in den weiten Augen und am leicht offenstehenden Mund der sich sonst so verschlossen gebenden Christiane Hörbiger. Aber alleine diese kurzen Momente machen schon klar, dass Katharinas Entscheidung nicht nur den Anderen Angst einjagt. Jovet lädt sie sogar ein, Zeugin zu sein beim Tod einer jungen, wohl unheilbar kranken Frau. Die beeindruckende Figur des Arztes zeigt einen Helfer, der sich unermüdlich einsetzt. Für das Leben, nicht für das Ende.

Als „Verneigung vor dem Leben“ wird der Film angekündigt, der einen kleinen Themenabend zum sogenannten selbstbestimmten Sterben einläutet. Nach dem fiktionalen Gedankenspiel folgt die Dokumentation „Frau S. will sterben - Wer hilft am Lebensende?“.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.