Oldenburg - Geradezu ein Musterbeispiel für die Politisierung der Mode bietet die Französische Revolution. Kleidung und Accessoires machten in den 1790er Jahren die politische Einstellung von Freund und Feind sichtbar. Die Kokarde, eine Bandschleife, die an Frack oder Kopfbedeckung geheftet wurde, galt seit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 als das Symbol der Revolution.

Das Exemplar aus Seide aus der Sammlung des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte gehörte vermutlich einst dem Oldenburger Herzog Peter Friedrich Ludwig. Er hatte sie wohl von seinem Justizrat Anton von Halem erhalten, der 1790 in Paris weilte. Frauen durften die Kokarde zunächst nicht anstecken. Dagegen wandte sich 1793 die „Gesellschaft der Revolutionären Republikanerinnen“. Sie forderten, die Kokarde als Bekenntnis zur Revolution ebenfalls tragen zu dürfen. In einem Pariser Polizeibericht heißt es, dass die Frauen, trügen sie erst einmal die Kokarde, bald „auch Bürgerrechte fordern“ werden. Dann „werden sie in unseren Versammlungen abstimmen, mit uns die Verwaltungsposten teilen wollen.“

Schließlich erreichten die Republikanerinnen, dass der Konvent ein Gesetz verabschiedete, wonach jede Frau verpflichtet war, eine Kokarde als Symbol nationaler und revolutionärer Identität zu tragen. Nach Beobachtung eines Zeitgenossen zogen viele Frauen sie in Federbüsche ein, die an ihren Hüten befestigt waren und machten sie so zu einem „Objekt der Koketterie“. Ab 1800, nach dem Staatsstreich Napoleons, war es Frauen dann wieder untersagt, Kokarden zu tragen.

Die Farben der Kokarden Blau, Weiß und Rot wurden die Nationalfarben Frankreichs. Ab 1790 tauchten Fahnen in dieser Farbkombination auf. 1794 wurde die Trikolore zur Nationalflagge. Die Idee des Kokardentragens als Ausdruck einer politischen Gesinnung überdauerte die Französische Revolution. Während des Vormärz und in der 1848er Revolution trugen Oppositionelle eine Kokarde in den jeweiligen Landesfarben.