Oldenburg - Plötzlich brach der Jubel aus, in einem Theater ja nicht ungewöhnlich. Doch um 12.46 Uhr war am Staatstheater Oldenburg nichts mehr gewöhnlich, erzählt der freudig strahlende Generalintendant Markus Müller. Erstens war gar kein Publikum da. Zweitens hatte Müller, der für sich im Intendantenkämmerchen saß, nur eine E-Mail geöffnet. Um 12.46 Uhr kam sie vom Deutschen Bühnenverein. Da stand drin, versteckt auf Seite 2 der E-Mail, in dürren Worten: „Lydia Steier, ,Saul’, Oldenburgisches Staatstheater“. Das war die Nominierung. Und das ist schon eine Auszeichnung.
Barocke Oper
Die Inszenierung aus Müllers Haus war in der Saison 2010/2011 auf Oldenburgs Spielplan. Die barocke Oper von Georg Friedrich Händel lief auf Oldenburgs Fliegerhorst – damals die Ausweichspielstätte des Staatstheaters. Für den sogenannten Faust-Theaterpreis konkurriert „Saul“ nun mit einer „Carmen“ aus Augsburg und einer „Glücklichen Hand“ aus Stuttgart in der Sparte „Beste Regie im Musiktheater“.
Ausgezeichnet werden mit dem „Faust“ jährlich Künstler, deren Arbeit laut Bühnenverein „wegweisend“ für das deutsche Theater ist. Der „Faust“ ist ein nationaler, undotierter Theaterpreis, der auf die Leistungskraft der Theater aufmerksam macht. Er wird vom Deutschen Bühnenverein mit den Bundesländern, der Kulturstiftung der Länder und der Akademie der Darstellenden Künste vergeben. Mitveranstalter in diesem Jahr ist der Freistaat Thüringen.
Premiere feierte die nominierte Oldenburger Produktion „Saul“ im Mai 2011 in der Halle 10 auf dem Fliegerhorst. In der vergangenen Spielzeit wurde sie nicht gezeigt, in dieser Saison wird sie am 20. Oktober im Großen Haus wieder aufgenommen.
Markus Müller „freut sich riesig“ über die Nominierung: „Eine großartige Sache! Eine tolle Bestätigung!“ Keiner habe damit gerechnet. Es sei nicht selbstverständlich, dass Oldenburg auf diese Weise national wahrgenommen werde.
Müllers Freude verstärkt, dass zudem drei Theaterleute nominiert werden, die ebenfalls als Gast in Oldenburg gearbeitet haben, aber nun nicht für ihr Oldenburger Werk, sondern für eine andere Produktion gelobt werden. Es sind Lorenzo Fironi für eine „Carmen“-Regie in Augsburg (er inszenierte in Oldenburg „La Bohéme“), Paul Zoller für Bühne und Kostüme bei „Le Grand Macabre“ in Mainz (in Oldenburg schuf er die Bühne für „La Bohéme“) und Kostümbildnerin Victoria Behr, die „Emilia Galotti“ in Oberhausen gestaltete – und in Oldenburg die Kostüme der „Zauberflöte“ entwarf.
Für den „Faust“-Preis kann man sich nicht bewerben, man wird vorgeschlagen. Man erfährt allerdings nicht, wer wen vorschlägt, erzählt Müller. Die Akademie der Darstellenden Künste wählt dann in einem komplizierten Verfahren den Sieger aus.
Zwei Konkurrenten
Eine Nominierung, das weiß Müller, ist noch kein Preis. Man kann die Fachwelt auf sich aufmerksam machen, aber leer ausgehen. Andererseits, so der Intendant, sei es wie bei der Oscar-Verleihung in Hollywood: Schon die Nominierung sei eine Auszeichnung. Die Chancen stehen gut, man hat ja nur zwei Konkurrenten. Am 10. November wird man mehr wissen.
Übrigens wurde „Saul“ in der Besprechung dieser Zeitung früh gewürdigt. Am 23. Mai 2011 findet sich in der Rezension der Ausdruck „Geniestreich“.
