Oldenburg - Ein langes Stück mittelalterliche Stadtmauer, Hinweise auf einen Wehrgang an dieser Stelle, das Fundament eines Turms, die Reste des Wassergrabens und einen alten Brunnen: Die Ausgrabungen im Vorfeld der Entstehung des neuen „Quartiers am Waffenplatz“ liefern interessante Einblicke in die Stadtgeschichte. Ein erstes Zwischenergebnis wurde am Donnerstag vom Landesamt für Denkmalpflege präsentiert. Da nun noch in anderen Bereichen gegraben werden soll, wird der Grabungszeitraum vermutlich bis September ausgedehnt. Die Architekten hoffen dennoch, im Zeitplan bleiben zu können.
Der Abriss der Broweleit-Häuser hatte den Weg nicht nur für die Pläne von Angelis & Partner frei gemacht, die hier bis Ende 2014 für die Wildeshauser TBM Alpha Vermögensverwaltung ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage, Läden, Gastronomie, Büros und 14 Mietwohnungen errichten. Der Abriss hatte auch die Archäologen auf den Plan gerufen. „Wir wussten von Karten, dass wir hier etwas zu erwarten haben“, sagte Bezirksarchäologin Dr. Jana Fries am Donnerstag.
Der entdeckte Abschnitt der Stadtmauer, der mittels Holzuntersuchungen noch genau datiert wird, stammt aus der Zeit von 1370 bis 1450. Er läuft parallel zum Heiligengeistwall und bestand aus Ziegeln. Er war 1,20 Meter breit und fußte auf einem 3,50 breiten, abgetreppten Ziegel-Fundament, das wiederum auf Holzpfählen gründete. Grabungsleiter Thies Evers wies am Donnerstag auf eine weitere Entdeckung hin: „Dachziegel in den Schuttschichten auf beiden Seiten der Mauer können von einem überdachten Wehrgang stammen.“
Das Mauer-Ensemble liegt heute schräg im Boden. Evers: „Offenbar wurde es beim Abtrag der Mauer untergraben, so dass der Abschnitt umstürzte.“ Das Abbruchmaterial wurde auch beim Bau der Häuser Heiligengeistwall 10, 11 und 13 verwendet.
Vor der Mauer, im Bereich des Heiligengeistwalls, lag ein mindestens drei Meter tiefer Graben. Auf der anderen Mauerseite, zur Mottenstraße, entdeckten die Ausgräber ein massives mittelalterliches Fundament aus Holzbalken, Findlingen und Ziegeln. Evers sagt: „Wir sind ganz begeistert, wie gut das erhalten ist. Es dürfte sich um die Überreste eines Turms handeln.“
Ein Brunnen, der ebenfalls entdeckt wurde, entstand vermutlich nach dem großen Stadtbrand 1657 und wurde über 200 Jahre, bis ins 19. Jahrhundert, genutzt.
