FRIEDRICH-AUGUST-HüTTE - FRIEDRICH-AUGUST-HÜTTE - Wenn es um Musik geht, gehört Willi Köpcke zu den beneidenswerten Menschen, denen die Ideen nur so zu zufliegen. Fast immer hat der Rentner aus Friedrich-August-Hütte eine Melodie auf den Lippen. Ständig geistern neue Einfälle für neue Lieder in seinem Kopf herum. Und manchmal muss sich der 79-Jährige mit anderen Dingen beschäftigen, mit Holzarbeiten für seine Freunde zum Beispiel, um die Ideen-Flut ein wenig einzudämmen.
Mehr als 200 Lieder hat Willi Köpcke schon komponiert, darunter viele vierstimmige Werke für Chöre. Der zweifache Vater gehört zu den eifrigsten Sängern beim Männerchor „Harmonie Einswarden“. 1948 ist er ihm beigetreten. Er lässt keine Probe aus. Der gebürtige Nordenhamer hat vor 19 Jahren den Kinderchor „Bürgerspatzen“ ins Leben gerufen. Vorher bildete er mit seinen Freunden Bruno Rolfes, Harald Kolthoff und dem inzwischen verstorbenen Manfred Beckmann das Quartett Wibruhama. Die Gruppe war in ganz Norddeutschland unterwegs, um mit einem nicht ganz bierernsten Programm aus Musik und Humor die Leute zu unterhalten.
Schon damals machte sich Willi Köpcke einen Spaß daraus, bekannte Lieder mit neuen Texten zu versehen. Das Lied „Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“ gab es in 20 verschiedenen Versionen, erinnert sich der Rentner. Aber Willi Köpcke begnügte sich nicht damit, zu texten und zu singen. Er wollte auch komponieren. Also brachte er sich selbst Noten bei. Das war in den Sechzigerjahren. Seitdem ist Willi Köpcke in Sachen Musik nicht zu bremsen. Selbst ein Herzinfarkt konnte ihn nicht aus der Bahn werfen. Seine Frau Inge erinnert sich noch gut daran, wie ihr Ehemann nach der Operation aus der Narkose erwachte und nach einem Notenblatt fragte.
Es gibt kaum ein Thema, mit dem sich Willi Köpcke in seinen Liedern noch nicht beschäftigt hat. Sei es ein Pfennig, den man auf der Straße findet, der eigene Schatten oder der Knast – der Rentner, der früher als Tischler und zuletzt bei Weserflug gearbeitet hat, braucht nicht lange zu überlegen, bis die Verse heraussprudeln. Er hat Lieder über seine Enkel, über die tolle Gemeinschaft in seiner Straße und über Nordenham geschrieben, einige davon in Plattdeutsch. Das Stück „Singet ein Lied“ mit dem Ave Maria in der Mitte gefällt seiner Frau Inge am besten. Willi Köpcke selbst mag „Ein kleiner Sonnenstrahl“ am liebsten. Darin geht es um Zweisamkeit, auch um die Schattenseiten des Lebens und – wie in vielen seiner Lieder – um den Frieden. „Ein Lied braucht eine Aussage, eine komplette Geschichte“, erklärt Willi Köpcke. In seinen Versen geht es mal lustig und mal etwas ernster zu. Aber von hohlem Heile-Welt-Tralala hält der 79-Jährige nicht viel. Sein jüngstes Werk ist übrigens ein Lied
über den Airbus.
Viele seiner Stücke sind von Chören nicht nur aus Nordenham gesungen worden. Reich ist Willi Köpcke dadurch nicht geworden. Aber das ist ihm auch nicht wichtig. Viel wichtiger ist ihm die Anerkennung. „Ich werde nie vergessen, als wir mit unserem Quartett meine ersten beiden Weihnachtslieder in der Kirche in FAH gesungen haben. Da standen den Leuten vor Rührung die Tränen in den Augen.“ Nicht vergessen wird Willi Köpcke auch den Erfolg seines Stücks „Nordseekinder“. Bei diesem Schunkelwalzer stand 1986 das Norwo-Festzelt auf dem Marktplatz Kopf.
Die Musik anderer hört Willi Köpcke selten. „Ich brauche keine Musik aus dem Radio. Schließlich ist die Musik schon in mir drin“, sagt er. Klar, dass Willi Köpcke nicht ans Aufhören denkt. „Ich habe noch so viele Ideen“, sagt er, „ich weiß gar nicht, ob ich genug Zeit habe, um sie alle aufzuschreiben.“
