FRIEDRICHSFEHN - FRIEDRICHSFEHN - Der hölzerne Gehweg, der zum Haus der Familie Ernst am Friedrichsfehner Diekweg führt, hat einen ungewöhnlichen Belag: Kaninchendraht ist über die gesamte Wegeslänge gespannt, Kaninchendraht als Antirutschmittel bei nasser Witterung. „Gerillte Planken bringen nichts, dort sammelt sich nur Wasser und die Bretter faulen noch schneller“, sagt Angelika Ernst und verrät, dass sie die Anregung des bedrahteten Weges von einer England-Reise mitbrachte. „Auch wenn jeder Garten seine eigene Handschrift hat, so gibt es vieles, was man woanders abgeguckt und nach eigenen Vorstellungen zuhause umgesetzt hat. Gartenfreunde wie ich sind immer für Anregungen offen.“

Vielfältige Anregungen kann man sich auch aus dem Ernstschen Garten holen. „Als mein Mann Roland und ich vor 20 Jahren unser Holzhaus nach ökologischen Aspekten bauten, war es von Anfang an klar, dass unser Garten ein anderes Gesicht bekommen würde als die der Nachbarn“, beschreibt die 55-jährige Mutter dreier erwachsener Kinder und Pferdeliebhaberin die Anfänge. Rasenfläche mit Thujahecke und davor einige Sträucher und Blumen – so sollte der Ernstsche Garten nicht aussehen. Statt „Einheitsgrün und Artenarmut“ wollte man mit Hilfe einer naturnahen Wirtschaftsweise auf dem erhaltenen Moorboden ein Refugium (vor allem) für heimische Pflanzen und Tierarten schaffen. Und das gelang.

Zur Hausplanung gehörte bereits ein Teich, der – neben anderen Wasserspeichern wie Tonnen und Zisterne – als Regen(rückehalte)becken angelegt ist. Heute ist er zugleich Kernstück des vorderen, rund 1100 Quadratmeter großen Gartens. Kröten, Frösche, Molche und Libellen gibt es hier und selbst eine Bisamratte genoss kurzfristig das Kleinod. Vögel und Insekten, aber auch Schnecken leben in oder von der bunten Pflanzenwelt. Staudenbeete, (englische) Hecken, Trockenmauern, ein Gemüsegarten mit abgesenkten Hochbeeten, moortolerante Obstbäume wie Pflaume, Zwetschge und Sauerkirsche, begrünte Fassaden und Pergolen und Grasdächer gehören zum Naturparadies.

Und die Arbeit? „Arbeit macht ein Garten nur kurzfristig im Frühjahr und im Herbst“, sagt Angelika Ernst. „Ansonsten ist es einfach nur entspannend, und es macht ungeheuren Spaß, sich im Garten zu betätigen.“