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KATASTROPHENSCHUTZ Schnelle Einsatzgruppe hilft im Notfall

MELANIE HANZ

FRIESLAND - Seit 20 Jahren ist der Wasserrettungszug Friesland im Einsatz, um Menschen, Tiere oder Sachgüter aus dem Wasser zu bergen und im Katastrophenfall zu helfen. „Wenn wir ausrücken, weiß jeder Retter, dass er sich auf die anderen verlassen kann – jeder Einzelne trägt Verantwortung für sich und die anderen“, sagt Rolf Mrozek, Chef des Wasserrettungszugs und zugleich Vorsitzender des Bezirks Oldenburg-Nord der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die den Wasserrettungszug stellt.

Dass die 39 Retter des Wasserrettungszugs Friesland im Katastrophenfall tatsächlich verlässliche Helfer sind, haben sie zuletzt 2006 beim Hochwasser an der Elbe unter Beweis gestellt. Damals sicherten sie im Landkreis Lüchow-Dannenberg die durchweichten Deiche über und unter der Wasserlinie mit Sandsäcken und Folien. „Es ist schon ein ganz besonderes Erlebnis, wenn man alles das anwenden kann, was man lange geübt hat“, sagt Mrosek. Zunächst hätten die Helfer damals „sparsam geguckt“, als sie ins Überschwemmungsgebiet gekommen seien. „Aber dann schießt das Adrenalin durch den Körper, und man will loslegen, um zu helfen“, erzählt er.

Von solchen Einsätzen zehren die Katastrophenhelfer lange: „Das wirkt sich direkt auf die Motivation im Übungsbetrieb aus“, sagt Mrosek: „Ob Taucher im Freibad oder See üben oder es im Katastrophenfall ums Ganze geht, ist schon ein Unterschied“, meint er. „Trotzdem hoffen wir natürlich, dass solche Katastrophen nicht passieren.“

Über mangelnde Einsätze kann sich der Wasserrettungszug auch in Friesland nicht beklagen: Ob bei Badeunfällen wie zuletzt Anfang Juli in Varel, als nachts ein junger Mann ertrank, bei Verkehrsunfällen wie Ende Januar in Jever, als ein Auto in der Graft versank, oder wenn es gilt, Menschen vom Eis zu retten, Deiche zu sichern oder Material und Personen auf dem Wasser zu transportieren – stets rücken die Retter mit Booten, Beleuchtung und Gerät aus, um zu helfen und zu bergen. Und das seit 20 Jahren.

Bereits seit 1986 liefen die Planungen, aus den DLRG-Ortsgruppen Frieslands einen Wasserrettungszug zum Katastrophenschutz aufzustellen. Am 25. November 1989 wurde der Wasserrettungszug durch Landrat Bernd Theilen offiziell in den Katastrophenschutz des Landkreises Friesland eingegliedert. Er besteht seitdem aus der Wasserrettungsgruppe, die die DLRG Wangerland stellt, der Rettungstauchergruppe der DLRG Jever-Schortens und der Fachgruppe Technik/Logistik, gestellt von den DLRG-Ortsgruppen Varel und Bockhorn-Zetel.

„Die dezentrale Aufstellung hat sich bewährt“, sagt Mrosek: So erübrigt sich zum einen eine zentrale Halle für Gerät und Fahrzeuge, zugleich kommt alles Gerät das ganze Jahr über in den DLRG-Ortsgruppen zum Einsatz und nicht nur im Katastrophenfall – die Retter sind gewohnt, mit ihrem Material zu arbeiten. Zum anderen kann jede Teileinheit des Wasserrettungszugs die Aufgaben einer Schnell-Einsatzgruppe zur Wasserrettung übernehmen. „Dadurch verringert sich die Zeit bis zur Einsatzbereitschaft an jedem Gewässer immens“, erläutert Mrosek.

Ein Nachteil ist jedoch, dass Fahrzeuge und Gerät, die ständig genutzt werden, trotz bester Pflege schneller verschleißen. „Wir sind froh, dass uns der Landkreis Friesland unterstützt, wo er kann – trotzdem fehlt es vorne und hinten an Geld für die Ausrüstung“, berichtet Mrosek.

Ein Problem der Retter ist die Gewinnung von Nachwuchs. „Rettungsschwimmer gibt es aus den DLRG-Ortsgruppen genug“, sagt Mrosek. Doch die Fachausbildung, die jeder Retter absolvieren muss, um im Katastrophenfall helfen zu können, ist zeitaufwendig. „Junge Leute am Anfang ihrer Berufstätigkeit können diese Zeit immer seltener aufbringen“, hat Mrosek festgestellt. Oder aber fertig ausgebildete Retter ziehen weg, weil sie in anderen Regionen eine Stelle antreten. „Dann gehen sie zwar nicht der DLRG, aber uns in Friesland verloren.“

Kaum Probleme gab es in den vergangenen 20 Jahren mit der Freistellung der Retter von ihren Arbeitgebern. „Damit haben wir hier großes Glück – anderswo ist das ein Riesen-Problem“, weiß Mrosek.

„Tag der Wasserrettung“ am 13. September

Der Wasserrettungszug

Friesland feiert an diesem Sonntag, 13. September, mit einem „Tag der DLRG-Wasserretter“ sein 20-jähriges Bestehen. Von 11 bis 18 Uhr stellen die Retter der DLRG im Alten Hafen in Hooksiel (Landkreis Friesland) ihre Arbeit vor. So finden um 11.45 und 14 Uhr Rettungsübungen im Hafenbecken statt, um 13 und um 15 Uhr zeigen die Einsatztaucher ihr Können.

Mit im Boot

sind beim „Tag der Wasserretter“ durch Ausstellungen und Aktionen die Freiwilligen Feuerwehren Hooksiel und Schortens, das Technische Hilfswerk Jever und die Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes Jeverland.

Mehr Infos unter „Katastrophenschutz“ auf der Internetseite www.bez-oldenburg-nord.dlrg.de

„Wir hoffen

natürlich, dass solche

Katastrophen nicht eintreten“

Rolf Mrosek
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