FRIESOYTHE - Der Zuschauer braucht schon das sprichwörtliche „dicke Fell“, um den Schwall an Beschimpfungen, Obszönitäten und Kraftausdrücken auf- und hinzunehmen. Die Welt ist nicht schön, sondern eben „geil“, wenn einer der Protagonisten in Helmut Kraussers „Haltestelle Geister“ das Leben beschreibt. Schülerinnen und Schülern der Theater AG des Albertus-Magnus Gymnasiums (AMG) Friesoythe sind an Grenzen gegangen, um das moderne Theaterstück unter Regie ihres Lehrers Peter Langer aufführen zu können. Die Premiere im Forum am Hansaplatz war – wie berichtet – ein grandioser Erfolg, wenngleich nicht verschwiegen werden soll, dass der eine oder andere Besucher Probleme mit dieser Form modernen Theaters hatte.
Aber es war ein Wagnis, das sich gelohnt hat. Das Stück spielt an einer Haltestelle, von der – symptomatisch für das Stück und durchaus symbolisch – kein Bus mehr abfährt. Im Laufe der weiteren Handlung kreuzen sich hier immer wieder in wechselnden Folgen die Wege von 17 verschiedenen Charakteren der Gesellschaft – Sonderlinge, kauzige Figuren, mit einem Hang zu Kriminalität und moralischer Verderbtheit. „Für die im Prinzip eigentlich heile Friesoyther Welt sind die Figuren und ihre Sprache, insbesondere für Ältere, weit weg vom Alltäglichen. Man muss wohl aus der Großstadt kommen, um solchen Menschen zu begegnen“, zog nach der Premiere ein Zuschauer Bilanz, sichtlich geschafft von Wortwahl und „Idealen“ der handelnden Personen des Theaterstücks. Es ist insgesamt eine große Staffel Menschen, die am äußersten Rand der Gesellschaft lebt. Die Menschen kommen in der Hoffnung, jemanden zu treffen und sind dabei sehr mitteilsam. Sie erzählen ohne Scheu und Scham, um nicht zu sagen schamlos
von ihren Gefühlen und Sehnsüchten und zeichnen dabei skurrile Bilder des Daseins. Sie verkörpern eine immer mehr abdriftende Gesellschaft und verdeutlichen deren Abgründe, eine Welt ohne Werte, Moral und Anstand, die einzig materialistisch geprägt ist. Das Stück wirft viele Fragen auf, ohne sie zu beantworten.
Wer „gnadenlos gutes Schülertheater“ sehen will, hat dazu noch zweimal Gelegenheit: Aufführungen gibt es noch an diesem Donnerstag, 28. Februar, sowie am Sonntag, 2. März, jeweils um 19.30 Uhr im Forum am Hansaplatz.
