Friesoythe - Als das Diakonische Werk 1966 ins Leben gerufen wurde, hatten die Mitglieder ein klares Ziel vor Augen: Die Schaffung von altersgerechten Wohnungen in Friesoythe. Das hatte einen guten Grund: Der Anteil der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen aus dem Osten Deutschlands an der Friesoyther Bevölkerung war zu dieser Zeit groß, bezahlbarer Wohnraum hingegen knapp.

Also baute der evangelische Trägerverein für genau diese Menschen am Grünen Hof für rund 250 000 Deutsche Mark zwei Gebäude mit insgesamt zehn Wohnungen plus Hausmeisterwohnung. Im Dezember 1968 zogen fünf Ehepaare, fünf Einzelpersonen sowie die damaligen Hauswarteheleute Doris und Bernhard Drees in die beiden länglichen Gebäude ein. Das Ehepaar Drees betreute die Anlage fortan 40 Jahre lang. Heute kümmert sich die Hausmeisterfamilie Pfafenroth um die Wohnungen, die kontinuierlich modernisiert wurden. Die Mietpreise für die 40 und 50 Quadratmeter großen Wohneinheiten waren damals mit 107 und 138 D-Mark sehr gering und liegen auch heute noch mit rund drei Euro pro Quadratmeter extrem niedrig. Kein Wunder, dass die Wohnungen seit fünf Jahrzehnten bei vielen älteren Leuten mit niedriger Rente sehr beliebt sind.

Kürzlich kamen die Mitglieder des Diakonischen Werkes Friesoythe sowie weitere Gäste im evangelischen Gemeindehaus am Grünen Hof zusammen, um an den Beginn der Wohnanlage vor genau 50 Jahren zu erinnern. Die Vorsitzende des Diakonischen Werks, Dr. Jutta Engbers, blickte in ihrer Ansprache zunächst auf die Gründerzeit der Diakonie in der Diaspora, also der überwiegend katholischen Region, zurück. Waren es damals ausschließlich evangelische Bewohner, sind es jetzt überwiegend katholische Mieter. „Diakonie in der Diaspora heißt auch Betreuung der Mitchristen. Und irgendwann wird vielleicht auch ein Yeside einziehen“, betonte Engbers den integrativen Gedanken der Diakonie.

Das Diakonische Werk Friesoythe könne nur „einen sehr kleinen Ausschnitt aller notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Welt ein kleines bisschen menschlicher zu machen“, so die Vorsitzende, die hoffe, dass sich weiter Menschen einsetzen werden, damit das Diakonische Werk seinen Bewohnern auch weiterhin Wärme bieten könne.

Bürgermeister Sven Stratmann nahm diesen Faden in seiner Rede auf und sagte, dass es wichtig sei, Menschen Geborgenheit und Wärme zu geben. „Wir haben immer Intervalle, in denen Leute zu uns kommen, die kein Dach über dem Kopf haben“, so Stratmann. Daher danke er allen, die sich mit Ehrgeiz und Engagement für diese Menschen hier vor Ort einsetzen würden.

Zum Festakt gehörte auch ein von Pastor Joachim Prunzel zelebrierter Gottesdienst, eine vom zweiten Vorsitzenden Wilhelm Metz zusammengestellte Diashow und ein Theaterprogramm.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)