Friesoythe - Was hätte Robin Williams wohl gedacht, wenn er am Samstag- oder Sonntagabend im Forum am Hansaplatz gesessen hätte? Stimmungsvolles Licht, liebevoll dekorierte Leseecken, kleine Papierlampen verstreut durch den ganzen Saal und die berühmten Zeilen des Walt Whitman beleuchtet an der Wand – sicherlich hätte dem leider viel zu früh verstorbenen Charakterdarsteller Williams diese Adaption seiner wohl größten Rolle gefallen. Nicht nur die Dekoration war besonders – auch die Neuinterpretation der freien Theatergruppe Eigen:Regie begeisterte die Besucher am Samstagabend.
Die Kenner der Vorlage merkten aber schon zu Beginn – dieser Club der toten Dichter ist etwas anders. Denn anders als im Film nimmt die Welton-Akademie nicht nur Männer auf – auch Frauen stehen mit auf der Bühne und sind mittendrin im Konflikt zwischen Anpassung und dem freidenkenden Motto des Lehrers Keating (Simon Reiners) „Carpe diem – nutzen den Tag“.
Gleichzeitig wurden auch noch zwei Rollen durch die Regisseure Niklas Reinken und Linda Thölking hinzugefügt – was die Dramaturgie des Stückes noch etwas auffrischte. Eher kahl ist es dabei auf der Bühne – mit einem spürbaren Sinn für Ästhetik und Minimalismus schaffte es die freie Theatergruppe, dem Filmklassiker ihre ganz eigenen Akzente zu geben.
Und natürlich ist auch der Satz dabei, den die meisten Filmkenner nicht aus ihrem Zitate-Schatz missen wollen. „Oh Captain! My Captain“ ruft Simon Reiners in der wichtigen Rolle mit voller Stimme in den gut besetzten Zuschauerraum.
Der Text entstand nach einer Vorlage von Peter Langer und wurde von Linda Thölking überarbeitet. Unterstützt wird die Aufführung von Verena Memering, Lena Thieken, Stefan Benken, Tobias Block, Marina Meyer, Christina Wagner, Anna-Lena Knurbein und Nadine Steenken. Die Oldenburgische Landschaft fördert die Inszenierung im Rahmen des Start-Your-Art-Projektes.
Der Erlös der drei Aufführungen kommt einem guten Zweck zu Gute. Der Förderverein des Albertus-Magnus-Gymansium, in dessen Theater-AG die meisten Darsteller vorher aktiv waren, und der Verein „Jedem Kind ein Chance“ bekommen die Einnahmen der Eintrittsgelder.
Wer sich den etwas anderen Club der toten Dichter noch ansehen will, hat am morgigen Feiertag noch die Chance dazu.
