Friesoythe - Geld, Macht, Erfolg und ein gnadenloser Absturz in die Arbeitslosigkeit: Die Theater-AG der Oberstufe des Albertus-Magnus-Gymnasiums (AMG) Friesoythe widmet sich in ihrem neuen Stück „Top Dogs“ den tragischen Gegensätzen zwischen einer beruflichen Bilderbuchkarriere in der Wirtschaft und dem tiefen, unerwarteten Fall von diesem hohen Sockel. Drei Vorstellungen bringen die Jahrgänge zehn bis zwölf im Forum am Hansaplatz auf die Bühne (siehe Infobox). Auftakt ist am Sonntag, 4. März, um 19.30 Uhr.

Das Theaterstück „Top Dogs“ stammt aus der Feder des Schweizer Schriftstellers Urs Widmer und feierte 1996 seine Uraufführung. Es beschäftigt sich mit frisch gekündigten Spitzenmanagern, sogenannten Top Dogs, die in einem Outplacement-Center „wiederaufbereitet“ werden sollen. Alle Figuren dieser Tragikomödie leiden unter ihrer Kündigung und verstehen kaum oder gar nicht, dass sie nun die Entlassenen sind. Sie müssen nun das, was sie zuvor ihren Arbeitnehmern angetan haben, selbst durchmachen. Im Outplacement-Büro bei der NCC (New Challenge Company) werden sie therapiert beziehungsweise therapieren sich gegenseitig.

Während dieser Therapien zeigt sich, dass die Top Dogs völlig entfremdet von ihrem Beruf, sich selbst und ihrem Privatleben sind. Sie sind durch ihre frühere Stellung gefangen und leben in dem Wahn, nach ihren alten Zielen zu streben: Macht, Einfluss, Ansehen und Geld. Familienglück oder das Empfinden von Liebe sind für die Spitzenmanager nicht mehr möglich.

In sehr unterschiedlichen grotesk-komischen Bildern zeigt Widmer die geistige und emotionale Verkümmerung der Wirtschaftsführer. Er lässt in seiner Sozialsatire 16 Alphamännchen und -weibchen auftreten. Dabei werden deren Namen nach den Namen der Schauspielerinnen benannt. In der Aufführung des AMG spielen ausschließlich Mädchen die Rollen der Top Dogs.

Seit den Sommerferien wird fleißig geprobt. Einmal wöchentlich kommen die AMG-Schülerinnen zusammen, um für anderthalb Stunden das Stück einzustudieren, das vom Aufbau sehr modern gehalten ist. Es gibt keine geschlossene Form, die Szenen zeigen keinen durchgehenden Handlungsstrang, die Grenzen zwischen den Psychologen und den Top Dogs verschwimmen.

Widmer erhielt 1997 den Mülheimer Dramatikerpreis für „Top Dogs“. Das Stück wurde außerdem von den Redakteuren von „Theater heute“ zum Theaterstück des Jahres gewählt. Es war außerdem Pflichtlektüre für die Abiturienten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Sebastian Friedhoff