FRIESOYTHE - Sorge bereitet der Mitgliederschwund. Jetzt sind noch zehn Mitglieder dabei.
Von Karin Olliges
FRIESOYTHE - Gerd Deutschkämer ist Philatelist. „Aber kein Briefmarkensammler“, betont der 62-Jährige. Das ist ein Unterschied, ein ganz entscheidender sogar. Philatelisten sammeln nicht nur die reine Marke, sondern auch Karten oder Briefe mit dem dazugehörigen Stempel. Allein schon die Begriffsunterscheidung zeigt: In der Philatelie kommt es auf die Feinheiten an. Zusammen mit seinen neun Sammlerkollegen aus dem Friesoyther Verein der Briefmarkenfreunde richtet er sein Augenmerk auf jede Kleinigkeit. „Alte Einschreibezettel machen Briefe genauso interessant wie schöne Sonderstempel. Ist der gut zu erkennen, ist eine fehlende Ecke bei der Marke auch nicht so schlimm“, sagt Deutschkämer. Seit 1981 treffen sich die Vereinskameraden jeden zweiten Dienstag im Monat zum Tauschabend. Über zwei Jahrzehnte war die mittlerweile abgerissene Gaststätte Coldehoff ihr Treffpunkt. Nun ist es das Friesoyther Postgeschichtliche Museum. Zu den Anfängen ihrer Sammelleidenschaft war dasHobby bei den meisten älteren Vereinsmitgliedern noch preiswerter. „1950 wurden nur zwei Marken für insgesamt 35 Pfennig herausgebracht, zehn Jahre später waren es schon 35 für 6,22 Mark“, sagt der Vereinsvorsitzende. Im Jahr 2000 wurden 68 verschiedene Motive im Wert von 100,90 DM gedruckt - ein teures Vergnügen. Deswegen haben sich viele schon bald auf bestimmte Themen spezialisiert. Vom Heimatsammler über Fische bis zu Motiven von Papstreisen ist alles im Verein vertreten. „Als Sammler von Deutschlandmarken sind wohl alle angefangen. Das hat sich dann ganz individuell entwickelt“, so der Philatelist. An regionalen Tauschabenden können gesuchte Motive und Stempel dann getauscht oder verkauft werden. „Das Fachsimpeln und der Informationsaustausch ist dabei noch das schönste“, sagt der Friesoyther. Der Vorsitzende kann auf 24 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken. Eine Wettbewerbsschau und sechs Werbeschauen fanden in dieser Zeit statt. Außerdem wurde 1993 der „Tag der Briefmarke“
ausgerichtet und im Laufe der Jahre ein heimatgeschichtliches Buch sowie drei Sonderstempel herausgegeben. Eine stolze Bilanz für den kleinen Verein.
Gleichzeitig bedauert der 62-Jährige den Mitgliederschwund. In den besten Zeiten waren es über 30 Philatelisten. Auch eine Jugendgruppe gab es bis Mitte der 90er-Jahre. „Briefmarken sammeln ist für junge Leute nicht mehr so attraktiv. Die meisten Briefe werden schließlich nur noch mit welligen Freistempeln abgezeichnet“, weiß Deutschkämer. Runde Sonderstempel sind heute fast schon eine Seltenheit. Deutschkämer bedauert: „Die meisten Briefe sind nur mit der Frankiermaschine gestempelt – minderwertig .“
