FRIESOYTHE/KöLN - Knapp sieben Kilometer Fußmarsch, dreieinhalb Stunden draußen – und dabei die ganze Zeit Musikmachen. Das klingt nach harter Arbeit. Aber für die Mitglieder der Schützenkapelle Neuvrees unter der Leitung von Stefan Böhmer und des Jugendblasorchesters Neuscharrel unter der Leitung von Peter Blömer war das am Montag anders. Denn am Rosenmontag in Köln ist auch ein langer Marsch durch die Stadt vor allem Spaß. „Ich bin immer wieder gerne dabei“, sagt der Vorsitzende des Neuscharreler Jugendblasorchesters (JBO), Frank Ewen. Der 41-Jährige weiß, wovon er spricht, denn er ist seit 28 Jahren alljährlich beim Kölner Karneval auf der Straße.
Ausgelassene Stimmung
Auch der Vorsitzende des Kreismusikverbandes, Martin Engbers, der sich selbst als „halbaktives Mitglied“ beim JBO bezeichnet, fährt seit Jahren mit. „Mir macht es jedes Jahr wieder Spaß.“ Vor allem die Fröhlichkeit hat es ihm angetan. „Die ausgelassene Stimmung kommt eher aus sich heraus und ist weniger alkoholselig als anderswo.“
In diesem Jahr war der „Zoch“ durch Köln länger als in den vorherigen Jahren. Die Strecke selbst war knapp sieben Kilometer lang, die Gruppen aneinandergereiht kamen sogar auf mehr als sieben Kilometer – unterteilt war diese närrische Menschen-Schlange in knapp 50 Gruppen. Und mittendrin die Neuscharreler (in Gruppe 12) und die Neuvreeser (in Gruppe 5).
Motto „In Kölle jebützt“
Udo Werner war mit der Schützenkapelle Neuvrees unterwegs und ist begeistert: „Es war wirklich toll. Irgendwann kam am Montag die Sonne raus, da wurde die Stimmung noch besser. Ein unglaubliches Gefühl, an 1,2 Millionen Zuschauern vorbei zu laufen.“ Der 61-Jährige spielt Trompete und war in diesem Jahr das sechste Mal dabei. Er erinnert sich auch gerne an die „Bützje“, die beim Karneval verteilt werden. „Bützje“ sind Zeichen der Zuneigung, Ausdruck der Emotionalität – auf deutsch: Küsschen. Die Kölner Rosenmontagszeitung warnt: „Ein Bützje ist kein wirklicher Kuss. Rein körperlich betrachtet ist es weniger. Emotional drückt es ein Gefühl der Herzlichkeit aus.“ In diesem Jahr war das Motto des Karnevals „In Kölle jebützt“.
Bereits am Sonntag gefeiert
Nicht nur am Montag feiern die beiden Musikgruppen aus dem Nordkreis Cloppenburg in Köln. Beide Orchester waren schon am Sonntagfrüh angereist, um an Stadtteilumzügen teilzunehmen. Martin Engbers war wie viele seiner Musiker-Kollegen überrascht davon, dass die Märsche am Sonntag ohne Verletzungen über die Bühne gingen. Denn die Straßen in den Vierteln waren teilweise eisglatt. „Wir sind alle wieder heil zurückgekommen, trotz mancher Rutschpartie: Der ein oder andere ist mit dem Instrument am Mund gerutscht, aber eben nicht gestürzt.“ Und abschließend sagt er: „In eine U-Bahn sind wir auch nicht gestürzt.“
