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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Konzert: Unaufdringlich und immer eindringlich

18.11.2019

Friesoythe Die Technik des radikalen Schnitts in Musik oder Film hatte bis zu ihrer Erfindung als Kunstform noch 170 Jahre vor sich. Doch Johann Sebastian Bach wandte die noch namenlose Arbeitsmethode einfach schon mal an, 1733 in der großen Messe h-Moll. Wie ein fahler Schatten ist im Chor die riesenhafte Chaconne des „Crucifixus“ vorbeigezogen, da lässt der Komponist mit euphorischer Wucht das „Et resurrexit“ hereinbrechen. So einer wie Bach konnte das.

Der in seiner Direktheit überwältigende Szenenwechsel vermittelt, was ein Chor, die Solisten und die Instrumentalisten über das rein handwerkliche Vermögen hinaus zwei Stunden lang geistig leisten müssen. Zum Jubiläumskonzert für sein 50-jähriges Bestehen hat sich der Motettenchor Friesoythe diesem Kernwerk der Musik gestellt. Und er bewältigt in St. Marien diese Prüfung großartig. Die katholische Messe des Protestanten Bach entfaltet sich hier nicht nur wie unter der Kuppel einer Kathedrale, sondern wie unter dem Horizont der Welt.

Gut 60 Sängerinnen und Sänger bilden den mit Ehemaligen ergänzten Stammchor. Das scheint etwas füllig gegen die rund 20 Instrumentalisten des von dem Flötisten Hajo Wienroth formierten Barockorchesters „Le Chardon.“ Doch es ergibt sich kein Problem. Dirigent Heinrich kleine Siemer lässt den Klang kaum einmal massiv werden. Über die die plastisch heraus gearbeitete Linienführung ergibt sich ein manchmal ruhig schaukelnder, manchmal vorwärts reißender Klangfluss. Immerhin 20 Minuten Zeit für die Kontemplation des Kyrie nahm sich Bach. Er konnte eben auch anders.

Katharina und Werner Haselier haben den Motettenchor 1969 gegründet und geleitet. Kleine Siemer hat den damals noch oft mit Stimmen vom Albertus-Magnus-Gymnasium belebten Chor 2000 übernommen. Die Beständigkeit von zwei Dirigenten in 50 Jahren spiegelt diese historisch fünfte h-Moll-Messe der Friesoyther wider. Die Interpretation ist äußerlich grundsolide und in sich gefestigt, dabei frisch, aufregend und innerlich tief bewegend. Kleine Siemer hält wunderbar ein Gleichgewicht von Selbstbewusstsein und Demut. Die Innigkeit aller gleitet nie ins romantisierende.

Die Wahl der Solisten passt in diesen Rahmen. Fanie Antonelou (Sopran) führt ein ungemein warmes Timbre ins Feld, in das sich Johanna Rademacher (Alt) kongruent einfügt. Der Tenor Nils Giebelhausen singt unangestrengt natürlich. Der helle und lebhafte Bass von Dirk Schmidt hat eine fast aufrüttelnde Diktion. Die heiklen instrumentalen Soli gelingen bestechend: Konzertmeisterin Arwen Bouw (Violine) im „Laudamus te“, Gast Joaquim Palet (Horn) im tückischen „Quoniam“, dazu Otto Heinrich Beyer (Cello) in den Continuo-Partien.

50 Jahre und immer unaufdringlich aber eindringlich auf der Höhe der Zeit – das ist eine Großleistung.

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