FRIESOYTHE - Das Rathaus Friesoythe besteht aus vier zu verschiedenen Zeiten gebauten Häusern. Jedes sollte einen der vier ausstellenden Künstler aufnehmen; doch wollte niemand in den zum Stadtpark (ab)gelegenen Teil. So blieben am Ende vier Flure in drei Häusern. Die Ausstellung, die an diesem Sonntag eröffnet wird, gewinnt dadurch freilich an Geschlossenheit. Zwei Arbeitsweisen gliedern sie: Einerseits wird auf der Fläche spontan gemalt, andererseits wird mit gefundenen oder vor dem Arbeitsprozess festgelegten Formen gearbeitet.
Zur ersten Gruppe gehören Julia Siegmund (Friesoythe) und Norbert Bücker (Cloppenburg). Die Malerin kann einen zuvor schon von der Stadt erworbenen Bilderzyklus in ihren Ausstellungsteil integrieren. Spontan entwickelt sie auf teilweise präparierten Bildflächen sanfte Farbformen.
Diese können zu Landschaftselementen ausgeweitet oder zu Tieren in Kontrast gesetzt werden. Manchmal wird zudem ein Körperumriss über die offenen Bildräume gelegt. Neben kompositionellen Beziehungen zwischen den Einzelformen kann sich der Betrachter auch eigene Zusammenhänge denken.
Norbert Bückers Arbeiten werden mit Bleistift, Kohle und Kreide ohne Plan gezeichnet. Schwarz herrscht vor, weil ihm diese Farbe wahrer scheint als andere. Aus dem expressiven Liniengefüge, dessen Ansätze wiederholt durch weitere Formen gestört werden, entwickelt sich ein unbeschreibbares Zeichen, dem sich in anderen Blättern Gegenpositionen entgegen stellen. Bücker arbeitet in Zyklen, in denen das einzelne Blatt dennoch die Vielfalt des Zeichnens demonstriert.
Die beiden anderen Künstler gehen nach Plan vor. Ralf Lake, von dem gleichfalls schon ein großer „Frauenkopf“ angekauft worden war, malt umrisshaft auf der Bildfläche einen Kopf oder einen hockenden Akt und wiederholt dann diese Formen, so dass Bildgruppen mit gleicher Figuration entstehen.
Das farbig Umgebende – Raster, Landschaft, Texte auf einfachen Flächen, witzige Pointen – ist immer verschieden. Die Bilder machen deutlich, welche Kraft Alltagssätze oder Literatur entwickeln müssen, um sich gegenüber einer gemalten Figur zu behaupten.
Ein Kasten mit 800 gesammelten Feuerzeugen, in Reih und Glied geordnet, Collagen aus Bonbonpapier, Londoner und Pariser Metrotickets, geschredderten Briefmarken oder Euro- und Dollarnoten ergeben Bildobjekte, die Burchard Vossmann (Berlin/Garrel) ausstellt.
Zerstörung alltäglicher Materialien und neues Zusammensetzen der zuweilen winzigen Abfallstreifen verlangen Geduld und ergeben einen ungewöhnlichen Farbreiz, in dem die konfektionierten Töne neu gemischt sind.
