FRIESOYTHE - Freudestrahlend nahm Sandra Abbenseth aus Varel am Freitagabend in der Friesoyther Wassermühle den Borsla-Preis entgegen. Ihre Kurzgeschichte „Eene Fro to veel“ („Eine Frau zu viel“) hatte die Jury unter mehreren Einsendungen am meisten beeindruckt. „Dieser Text sticht vor anderen dadurch hervor, dass er – als Prosa-Text – eine außergewöhnliche Form aufweist“, sagte Laudator Dr. Hermann Gelhaus.

Er bezeichnete den Stil als „Schnipsel-Technik“, bei der mehrere Teiltexte in „Schnipsel“ zerschnitten und dann gemäß einem bestimmten Prinzip wieder zusammengesetzt werden. Die Autorin stelle in ihrem Text die Verbindung dreier Frauen her, die mit ihren Gedanken, Gefühlen und Interessen auf ein und denselben Mann fokussiert seien.

Daraus erwachsen ihnen geschlechtsspezifische und gesellschaftspolitische Probleme: Probleme mit der Sexualität, mit einem minderen Status, mit beruflicher Abhängigkeit und mit dem jeweiligen Selbstverständnis. „Die Autorin trägt mit ihrem Text dazu bei, dass derartige Probleme in der Gesellschaft bewusst werden oder bewusst gehalten werden – ein erster und notwendiger Schritt zu ihrer Lösung“, lobte Laudator Gelhaus.

Im Beisein vom Borsla-Vorsitzenden Dr. Josef Willer und Friesoythes Bürgermeister Johann Wimberg erhielt die Preisträgerin Sandra Abbenseth eine Urkunde, Blumen und ein Preisgeld von 2000 Euro, das zum größten Teil von der Spar- und Darlehnskasse zur Verfügung gestellt wurde.

Die Festansprache hielt Heinrich Siefer, Dozent an der Katholischen Akademie Stapelfeld. Er sprach zum Thema: „Mit Plattdüütsch dichter dran – Spraoke un Heimat in Welt un Kark“. Musikalisch umrahmt wurde die feierliche Preisverleihung vom Frauenchor Männergesangverein Friesoythe.

Die Borsla-Vereinigung für niederdeutsche Sprache und Literatur mit Sitz in Bösel fördert die niederdeutsche Sprache. Dazu gehört auch die jährliche Auslobung eines Literaturpreises.

Die Preisträgerin Sandra Abbenseth wurde 1973 in Varel geboren. Die gelernte Konditorin machte auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur. Im Moment widmet sich die 37-jährige Autorin voll und ganz dem Schreiben, veröffentlicht immer unter einem Pseudonym Kurzgeschichten auf Hochdeutsch und Platt. Für die Fabel „Gestatten“ erhielt sie 2008 ihren ersten Literaturpreis: das „Goldene Kleeblatt“ des Forums Gewaltfreies Burgenland.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)