Friesoythe - Schauspielern zuschauen, wie sie durchdrehen – das hat einen hohen Unterhaltungswert. Dies gilt zumindest für die Backstage-Komödie „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn, die die Theatergruppe „Eigen:Regie“ aus Friesoythe bei der Premiere am Freitagabend auf die Bühne im Forum am Hansaplatz brachte.
Das turbulente Stück lässt kaum Pausen zum Durchatmen. Zweieinhalb Stunden kam das Publikum aus dem Lachen schier nicht mehr heraus. In dem Stück im Stück steht die Truppe eines Tourneetheaters mit der Komödie „Nackte Tatsache“ unmittelbar vor der Premiere – und nichts klappt.
Die Handlung des Bühnenstücks hat es in sich: Haushälterin Mrs. Clackett (Christina Wagner) will es sich im Haus ihres Arbeitgebers vor dem Fernseher gemütlich machen, als Makler Roger Tramplemain (Niklas Reinken) mit seiner Geliebten Vicky (Tina Gelert) auftaucht. Zu dumm, dass genau zu diesem Zeitpunkt ausgerechnet die Hausbesitzer Mr. und Mrs. Brent (Marcel Wulf und Anna Rohlfer) auf der Flucht vor der Steuerfahndung ihr Domizil aufsuchen, obwohl sie eigentlich in Spanien sein wollten. Und so kämpft das Ensemble mit Gedächtnislücken, stürzt sich in Intrigen und einstweilen auch in Liebesgeschichten. Kein Wunder, dass nicht nur die Nerven des Regisseurs Lloyd Dallas (Simon Reiners) blank liegen, wenn Schauspielerin Dotty zum x-ten Mal die Sardinen vergisst. Es macht die Sache auch nicht besser, dass der Regisseur eine Beziehung zu seiner Assistentin Poppy (Marina Meyer) pflegt. Ausbaden muss das Bühnenbauer Tim Allgood (Norina Böhme).
„Der nackte Wahnsinn“ ist witzig, überraschend, absurd und natürlich turbulent. Zunächst erleben die Besucher die Generalprobe auf der Bühne mit. Im zweiten Teil werfen sie einen Blick auf die atemberaubenden Vorstellungsabläufe hinter den Kulissen und verfolgen schließlich eine Aufführung mehrere Wochen später, bei der nichts, aber auch gar nichts mehr voraussehbar ist.
Perfektes Timing und präzises Spiel – Tür auf, Tür zu – sind in Stücken wie diesem unerlässlich. Für die Schauspieler von „Eigen:Regie“ harte Arbeit; für das hier gezeigte Stück im Stück erfordert es ein hohes Maß an Konzentration und Disziplin – gleichzeitig müssen Tempo und Spielfreude auf die Bühne. „Eigen:Regie“ schafft das in der Premiere nahezu perfekt – und nur so kann „Der nackte Wahnsinn“ zu solch einem Lacherfolg werden. Eine beeindruckende Leistung – auf und hinter der Bühne. Am Sonntag, 18. November, 20 Uhr, wird „Der nackte Wahnsinn“ erneut aufgeführt.
