FRIESOYTHE - Dunkel. Alles Schwarz. Rauschen. Donner. Wirres Lachen. Rote Lichter beleuchten die Bühne. Durch den transparenten Vorhang ist eine Hexe zu sehen. Hörner auf dem Kopf, zentimeterlange Fingernägel.

Das Forum am Hansaplatz hat seine Besucher auf eine Zeitreise ins 11. Jahrhundert mitgenommen: Die Bremer Shakespeare Company ist mit der Tragödie „Macbeth“ nach Friesoythe gekommen. Das 1606 uraufgeführte Drama beschreibt den Aufstieg und Fall Macbeths. Vom Heerführer intrigiert sich Macbeth zum König von Schottland. Schnell wird er zu einem skrupellosen und von Angst getriebenen Tyrannen. Schließlich wird er entthront, wie schon er den König entthronte: Er wird erstochen.

Im ausverkauften Forum erlebt das Publikum einen schweren Stoff sehr professionell und unterhaltsam interpretiert.

Zwar gibt es die Trennung von Bühne und Zuschauerraum, doch mit der zweiten Szene wird klar, die Akteure scheren sich nicht drum. Macbeths Mitstreiter kommen von hinten durchs Publikum gelaufen – mit Schwertern bewaffnet und schreiend. Immer wieder wird das Publikum aus dem anonymen Dunkel gerissen: Ist Macbeth erst zum König gekrönt, muss das Volk aufstehen. Lady Macbeth (Janina Zamani) fordert dazu das Publikum auf. Es zögert. Erst als eben jene Männer – wieder mit Schwertern bewaffnet – die Bühne verlassen, den Forderungen von Lady Macbeth Nachdruck verleihen, stehen alle. Schließlich dankt die Lady: „Ihr kennt selbst Euren Rang, nehmt Platz!“ Gelächter. Den Friesoythern gefällt es.

Erik Roßbander spielt mit wahnsinniger Bühnenpräsenz den zerrissenen Macbeth. Noch vor dem Mord am König, vor der ersten Intrige wird klar, worin die Inszenierung ihren Schwerpunkt setzt. Innenleben und Zweifel der Figuren: „Ich – sein Wirt, der gegen seinen Mörder schließen müsste das Tor, nicht selbst das Messer führen“, sagt der harte Kriegsheld Macbeth. Doch die zarte Lady Macbeth zeigt wilde Entschlossenheit und treibt ihren Mann zum Meuchelmord.

Nach zwei Stunden fällt kein Vorhang, das Stück ist dennoch vorbei. Der lange Applaus zaubert den Kriegern ein Lächeln ins Gesicht.