FRIESOYTHE/VECHTA - Die 39-Jährige präsentiert „beseelte Lebewesen aus dem menschlichen und tierischen Bereich“. Die Ausstellung läuft vom 5. Oktober bis zum 12. Dezember dieses Jahres.
Von Tobias Millhahn
FRIESOYTHE/VECHTA - „Ich bin mir sicher, dass nicht alle nur wegen der Bilder, sondern auch wegen der ungewöhnlichen Umgebung kommen.“ Die Erwartungshaltung von Kerstin Kramer zeigt, dass es sich nicht um eine alltägliche Bilderausstellung handelt, deren Vernissage am Donnerstag, 5. Oktober, ist. In der Justizvollzugsanstalt Vechta zeigt Kramer Bilder in Acryl- und Mischtechnik auf unterschiedlichen Malgründen. An diesem Tag wird Doris Garduhn von der Universität Oldenburg um 19 Uhr die Ausstellung mit einer Einführung in die Werke eröffnen.„Nachtschattengewächse“ hat Kerstin Kramer als Oberbegriff für die Ausstellung gewählt. Dabei handelt es sich nicht um Tomaten und Kartoffeln, sondern um „beseelte Lebewesen aus dem menschlichen sowie tierischen Gebiet“. Es geht um Tiere wie die Kellerassel oder die Garnele. Die Ausstellung ist thematisch in kleine Gruppen unterteilt. Es werden Einzelbilder und Serien gezeigt, bei denen der Bildtitel einen hohen Stellenwert einnimmt. „Es geht um Kreaturen mit einer Seele, die eine Verbindung zum Ausstellungsort herstellen sollen“, erläutert Kerstin Kramer, die ihr Atelier mit sechs anderen Künstlern in Oldenburg hat.
Ausgestellt werden die Werke im Klosterhof des Frauenknastes auf zwei großen Fluren. Die Präsentation läuft bis zum 21. Dezember diesen Jahres. Jeweils donnerstags von 19 bis 20.30 Uhr kann sich jeder die Bilder ansehen. Hierzu muss ein Personalausweis mitgebracht werden.
Das Interessante an der Ausstellung sei die Atmosphäre zwischen den Insassen und „normalen“ Bürgern, erwartet Kramer. Es werde hoffentlich auch zu Diskussionen kommen. Der Kontakt auch für die Frauen in der JVA zur Außenwelt ist ein ganz entscheidender Aspekt der Ausstellung.
Dass die Schwelle zum Besuch der Ausstellung bei vielen sehr hoch ist, davon geht die 39-Jährige aus: „Man hat schon ein mulmiges Gefühl, wenn die Türen verschlossen werden. Und man ist auch froh, wenn man wieder heraus kann.“
Die Bilder lenken nur schwer von der ungewöhnlichen Umgebung ab. Sie sollen vor allem zur Diskussion anregen. Die Insassen haben durchaus die Möglichkeit, sich in den Bildern wiederzuerkennen.
Dabei ist die Friesoytherin auf das Publikum sehr gespannt: „Wie viele Leute trauen sich wohl in die JVA, um zusammen mit Gefangenen Bilder anzuschauen?“
Dass es durchaus viele Besucher werden können, zeigt die bisherige Bilanz von „Kunst im Knast“. Es ist bereits die 65. Ausstellung in der JVA für Frauen in Vechta. Die Organisatorin und stellvertretende Leiterin Petra Huckemeyer hat für ihre Bemühungen bereits eine Auszeichnung der Oldenburgischen Landschaft bekommen. Für Kerstin Kramer ist es die erste Ausstellung dieser Art: „Frau Huckemeyer von der „ART i.G. - Kunst im Gefängnis“ hat meine Bilder in Oldenburg gesehen und mich angesprochen, ob ich nicht in der JVA für Frauen in Vechta ausstellen möchte. Ich fand dies interessant und habe mich spontan entschlossen, das zu machen.“
Natürlich spreche die Ausstellung nicht alle Insassen geleichermaßen an, aber einige Gefangene seien sehr interessiert, so Kramer.
