Oldenburg - Es gab (vielleicht bis aufs Freibad) kaum einen besseren Ort, um die vergangenen hitzigen Sommertage zu genießen: Ein frischer Wind wehte durch den schattigen „Freigang“, den Bereich hinter der Lambertikirche, in dem sich von Mittwoch bis Sonntag die junge Kunst- und Kulturszene präsentierte. Bei Musik, fair gehandelten Getränken und ganz vielen Ideen zum Verbessern der Welt saß man hier beisammen.
Oder packte einfach mit an, denn mitmachen war angesagt. An der Klamottentausch-Station konnten sich Besucher zum Beispiel guten Gewissens von Kleidung trennen, ohne sie gleich wegschmeißen zu müssen. Wer etwas Neues bekam, war gleich nebenan eingeladen, das Fundstück per Siebdruck ein wenig aufzumöbeln. „Damit kann man zum Beispiel sein Shirt wirklich individuell gestalten“, erklärte Christine Kiel ihr Hobby. Selbst ausgeschnittene Papierbögen dienten dabei als Schablonen.
Für farbige Akzente, allerdings in der Natur, warben auch Manuel Nagel und Annaliesa Hilger. Am Stand ihres Vereins Wurzelwerk, der sich für Gemeinschaftsgärten einsetzt, bauten sie Samenbomben, die man problemlos in Gärten, auf Verkehrsinseln oder kahlen Stellen in der Stadt vergraben oder einfach abwerfen kann. „Im besten Fall wachsen dann dort bald Sommerblumen“, erklärte Hilger.
Während sie die Erde-Kompost-Kugeln rollten, genossen sie die lockere Atmosphäre im „Freigang“. „Es ist super angenehm hier“, meinte Nagel. „Zwar war es am Nachmittag nicht ganz so voll. Aber die, die gekommen sind, waren auch sehr interessiert und blieben lange.“
Angetan von dem Umfeld waren auch Sven Strohschnieder und Eike Niemann. Sie zockten gerade eine Runde Super Mario auf einer Klassiker-Konsole am Stand des Oldenburger Computer Museums. „Ich bin hier schon seit zwei Stunden unterwegs und es gefällt mir sehr gut. Ein schönes Festival.“
Die beiden genossen es aus der Perspektive des Besuchers, freuten sich aber ebenso auf den Blick von der Bühne. Denn die Abende gehörten den Bands und DJs. Strohschnieder und Niemann standen am Sonnabend noch gemeinsam als Bums und Partner auf der Bühne, von wo sie ihre Remixes unter die Zuhörer brachten.
Spätestens wenn der Sonnenuntergang nahte, verwandelte sich die tagsüber gemütliche Sitzecke langsam aber sicher in ein Versuchslabor für junge Musik verschiedener Genres. Dafür sorgten Gruppen mit kreativen Namen wie Dermädchen & Dasjunge, Back mir Brot oder Los Terroristas Del Copy&Paste. Der frische Wind wehte eben nicht nur buchstäblich, sondern auch metaphorisch durch den „Freigang“.
