Von einem Bekannten habe ich einmal den Spruch gehört: „Ich glaube an den lieben Gott, aber das Bodenpersonal gefällt mir nicht!“ Wenn mit „Bodenpersonal“ die Pastoren gemeint sein sollten, so trifft dieser Spruch ganz bestimmt nicht bei uns zu. Wie ich finde, haben wir in der Gemeinde Ganderkesee ganz ausgezeichnete Pastorinnen und Pastoren. Einer von diesen sehr engagierten Geistlichen ist Eckhard Dreyer (59).

Fand unser Gespräch noch in seinem Pfarrhaus in Ganderkesee statt, so wird er nach seiner aktiven Zeit wieder in sein Delmenhorster Elternhaus zurückkehren. „Die Straßen bei uns hatten so große Schlaglöcher, dass dort nur wenige Autos fuhren, und daher war die Straße ein beliebter Spielplatz für uns!“, erinnert sich Eckhard Dreyer an seine Kinderzeit. „Wir sind im Freien großgeworden und es hat Spaß gemacht.“ Gerne hätte Eckhard Dreyer das Klavierspielen erlernt, aber sein Vater meinte: „Wir haben eine Geige, also lerne die erst mal!“ Im Schulorchester vom Max-Planck-Gymnasium schaffte er es sogar, die erste Geige zu spielen.

Schon in jungen Jahren ging Eckhard Dreyer gern zum Kindergottesdienst, und auch die Konfirmandenzeit fand er beeindruckend. Selbst nach der Konfirmation besuchte er regelmäßig die Gottesdienste. Früh stand für ihn fest: „Ich werde Pastor!“ Seine Eltern waren von der Berufswahl ihres einzigen Kindes nicht gerade begeistert. Sein Vater sprach beim Oberkirchenrat in Oldenburg vor, ob es nicht besser sei, wenn sein Sohn erst einen „ordentlichen“ Beruf lernen würde. „Es ist zwar nicht verkehrt, wenn Ihr Sohn einen Nagel in die Wand schlagen kann, aber lassen sie ihn man machen!“, entgegnete der Oberkirchenrat.

So begann Eckhard Dreyer 1974 nach dem Abitur sein Theologiestudium in Bethel. Das bedeutete aber auch: Die Sprachen Hebräisch und Altgriechisch mussten erlernt werden. „Das ist mir nicht leicht gefallen“, gibt der Pastor zu. Nach Bethel setzte er sein Studium in Göttingen fort, bevor er dann 1980 sein erstes Examen in Oldenburg machte. Sein Vikariat absolvierte er ebenfalls in Oldenburg. Zu seinen Aufgaben gehörten auch das Abhalten von Gottesdiensten, Trauungen oder auch Trauerfeiern. Eine seiner ersten Trauerfeiern galt einem jungen Mann, der durch ein Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. „Hier habe ich meine eigene Rat- und Hilflosigkeit gespürt“, erinnert sich Eckhard Dreyer.

Da die Kirchengemeinde Holle-Wüsting ohne Pastor war, machte er dort sein Sondervikariat. Das gefiel ihm so gut, dass er beim Oberkirchenrat beantragte, ob er nach seinem zweiten Staatsexamen nicht ganz dort bleiben könnte. Nach einem weiteren Jahr als „Hilfsprediger“ wurde Eckhard Dreyer dann 1982 von der Kirchengemeinde Holle-Wüsting offiziell als Pfarrer gewählt.

Sehr gerne erinnert er sich an diese Zeit zurück. Immer im Wechsel hielt er an einem Sonntag den Gottesdienst in der St. Dionysius Kirche in Holle und am nächsten in der Heilig-Geist-Kapelle in Wüsting. „Ich bin zwar nicht der ,Hans Dampf in allen Gassen’, aber dennoch war ich dort mit der Gemeinde sehr verwachsen“, erzählt Pastor Dreyer.

Auch andere Kirchengemeinden wurden auf den jungen Geistlichen aufmerksam. Der lehnte aber einen Wechsel zunächst ab – bis eines Tages Pastor Meyer aus Ganderkesee kam. „Ich gehe weg aus Ganderkesee, möchtest du nicht mein Nachfolger werden?“ Nach kurzem Zögern bewarb er sich um die vakante Pfarrstelle in Ganderkesee.

Allerdings brachte der Wechsel nach Ganderkesee 1991 gewisse Umstellungen mit sich: Hatte er es in Holle-Wüsting mit einer kleinen Kirche bzw. Kapelle zu tun, so fand er sich jetzt in der großen St.Cyprian- und Corneliuskirche wieder. Durfte er vorher jeden Sonntag predigen, so wechselte er sich hier mit seinen Kollegen ab. Er brauchte aber nicht lange für die Erkenntnis. dass dieser Schritt der richtige war.

Das Jahr 2007 brachte wieder eine Veränderung. Nachdem Pastorin Reinhild Sander in den Ruhestand gegangen war, wurden die Pfarrbezirke neu eingeteilt. Pastor Dreyer übernahm den Bezirk 1 ( Stenum). Mit dem Timotheus-Haus hat er nun wieder ein kleines Gotteshaus, wo er jeden Sonntag den Gottesdienst abhalten kann – und jeder ist für ihn etwas ganz Besonderes.

Ist er einmal nicht als Pastor im Einsatz, so findet man Eckhard Dreyer häufig in der Bremer „Glocke“ bei einem der vielen klassischen Konzerte – die Musik ist neben dem Lesen sein Hobby.

Eckhard Dreyer, Pastor der ev.-luth. Kirchengemeinde Ganderkesee (Pfarrbezirk Stenum)