Ganderkesee - Der Verzicht auf Genussmittel wie Schokolade, Alkohol, Zigaretten oder Fleisch ist häufig Teil der Fastenzeit, die jedoch nicht als Entbehrungszeit oder Askese gelebt werden muss, erklärt Ernährungsberaterin Hermine Iben aus Strudthafe.
Seit 2004 gibt sie bereits Kurse zum Thema Basenfasten, das ein schonenderes Fasten im Gegensatz zum Heilfasten sei, bei dem häufig nur Flüssigkeit wie Saft, Brühe oder Wasser zu sich genommen wird. Beim Basenfasten hingegen muss nicht auf feste Nahrung verzichtet werden. Neben Obst und Gemüse wie Kartoffeln und Salat können Oliven oder Mandeln sowie Walnüsse gegessen werden – Brot, tierische Produkte und Hülsenfrüchte sind tabu. Positiver Nebeneffekt dabei: die Gewichtsabnahme. Doch Hauptgrund des Basenfastens sei, sich bewusst zu machen, was man überhaupt täglich zu sich nehme. So enthielten viele Nahrungsmittel wie Tütensuppen oder Joghurt Zusatzstoffe wie Aromen oder Geschmacksverstärker. „Ziel des Basenfastens ist es, bewusster mit dem Körper umzugehen“, erklärt die Expertin. Auch den Ausgleich des Säurebasenhaushaltes, die Darmreinigung oder den Stoffwechsel thematisiere sie in ihren Kursen.
Diese würden häufig Teilnehmer besuchen, die sich bereits für bewusstere Ernährung interessieren. In der Gruppe falle das Basenfasten zudem leichter, wie Iben häufig hört. Bis maximal sechs Wochen könne die Schonkost fortgesetzt werden.
Doch das Fasten betrifft nicht nur den Körper, sondern auch den Geist und die Seele wie Maren Herrendörfer, Pastorin der evangelisch-methodistischen Kirche in Bookholzberg erklärt. Mit dem Fasten könne ein Zeichen gesetzt werden, um das Schöne in den Blick zu nehmen. „Wir fasten, um wacher zu sein für Gott“, so Herrendörfer. Dabei sei die Verknüpfung mit dem Gebet sehr wichtig, wenn etwa aufs Fernsehen, Autofahren oder Rauchen verzichtet wird. Das Fasten habe bereits am Aschermittwoch begonnen und sei die Vorbereitung auf die Taufe, die früher gewöhnlich in der Osternacht stattfand, sagt Herrendörfer. Nun sei Fasten vornehmlich die Vorbereitung auf das persönliche Auferstehungserlebnis, um auch bewusst Raum für Gott zu schaffen.
Als „österliche Bußzeit“ ist die Fastenzeit hingegen bei den Katholiken bekannt, wobei die Ernährung nicht die zentrale Rolle spielt, erklärt Norbert Lach, Pfarrer im Gemeindedienst der Kirchengemeinde St. Marien. Obwohl auch Lach auf Genussmittel und Fleisch verzichten will: „Ich versuche eine innerliche Katharsis (Reinigung), einen Frühjahrsputz in mir zu vollziehen.“
Das Vorbild sei Jesus Christus, der in der Wüste 40 Tage fastete, um sich auf die Verkündigung des Reiches Gottes vorzubereiten. Heute sei Fasten vor allem eine mentale Besinnung. „Der eigentliche Sinn ist umzudenken und einen Paradigmenwechsel vorzunehmen im Kopf und im Herzen“, meint Lach. Dabei könne der Blick auch auf die Schöpfung gerichtet werden, um sich etwa den Umgang mit den Ressourcen bewusst zu machen.
