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Literatur Für den Schmöker in die Zelle

Regina Jerichow

Bad Zwischenahn - Ein Buch im Abfalleimer zu entsorgen, ist für manch einen ebenso undenkbar, wie ein Stück Brot wegzuwerfen. Wenn aber die Regale daheim partout keinen Neuzugang mehr verkraften, gibt es eine Alternative, von der obendrein noch andere Büchernarren profitieren: „BookCrossing“ heißt sie und wurde 2001 von dem amerikanischen Programmierer Ron Hornbaker erfunden.

Dahinter verbirgt sich eine Online-Tauschbörse, bei der Menschen ihre Bücher bewusst „freilassen“, damit sie ihre neuen Leser finden. In Bad Zwischenahn landen sie dabei allerdings erst einmal in der Zelle – einer ausgedienten Telefonzelle.

Großer Vorrat

Auf der Suche nach einer Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen und Kundschaft in die Lange Straße zu locken, war die „Interessengemeinschaft Lange Straße und umzu“ (InGe Lange) auf die pfiffige Idee mit dem „Lese-Tiger“ gekommen. Über das Internet wurde eine Telefonzelle besorgt, passend angemalt – auf der von Janett Brown-Dwehus gestalteten Rückseite schmökert ein Tiger in einem Buch – und mit Regalen bestückt. Fertig war ein Hingucker, der sich wie von selbst immer wieder mit neuen, wenn auch bereits gelesenen Büchern füllt. Für Kinderliteratur ist sogar ein eigenes Bord reserviert.

Jeden Tag zwischen 10 und 18 Uhr ist der „Lese-Tiger“ geöffnet – wochentags übernehmen Mitarbeiter einer Fleischerei das Auf- und Abschließen – und wird nach den Worten von Jürgen Krohn, Vorsitzender der InGe Lange, täglich mehrmals aufgesucht, um Bücher auszuleihen beziehungsweise abzugeben. Und wer schon mal in der Ecke ist, kann bei der Gelegenheit auch das eine oder andere Geschäft in der Straße aufsuchen – das war die Marketing-Idee, mit der man Krohn zufolge bisher „nur positive Erfahrungen“ gemacht habe.

Trotz des regen Betriebs herrscht kein Mangel an Lesestoff: Durch zahlreiche Bücherspenden ist der Vorrat zum Nachlegen groß, zumal der „Lese-Tiger“ seit einiger Zeit zusätzlich eine offizielle „BookCrossing“-Station ist. Auch in Oldenburg finden sich zwei: im „Dreieck“, einer Kneipe im Ziegelhofviertel, und im AStA-Trakt der Universität. Eine verschwindend kleine Zahl, wenn man bedenkt, dass es sich um ein globales Phänomen handelt: „BookCrosser“ sind inzwischen in mehr als 130 Ländern unterwegs – von der Antarktis bis nach Simbabwe.

Schlichtes Prinzip

Das Prinzip ist schlicht, aber wirkungsvoll und lebt von den Rückmeldungen der „Finder“/Leser, mit denen der Weg der Bücher genau nachverfolgt werden kann. Dazu lässt der Besitzer sein Buch auf der Internetseite www.bookcrossing.com registrieren und mit einem speziellen Code (Book­Crossing­IDnumber) versehen. Anhand dieser Nummer kann man dann nachschauen, wo das „ausgesetzte“ beziehungsweise „gefangene“ Buch schon überall gewesen ist. Nachdem man es gelesen hat (oder auch nicht), lässt man selber das Buch wieder frei und versteckt es: in einer Kneipe, in der Bahn, im Park oder legt es in den ausgewiesenen „BookCrossing“­-Zonen ab.

Die Teilnahme ist kostenlos, unverbindlich und durch selbst zu wählende Decknamen anonym. Über die vielen Chats und Foren auf der „Book­Crossing“-Website hat sich inzwischen fast so etwas wie eine eigene literarische Szene entwickelt.

Um den Buchhandel muss man sich deshalb jedoch noch keine Sorgen machen. Claudia Paul, Pressesprecherin des Börsenvereins, sieht die „BookCrosser“ gelassen und befürchtet keine negativen Auswirkungen: „Das ist ja keine Massenbewegung.“ Die Online-Tauschbörse führe vielmehr dazu, dass Menschen mit Büchern in Kontakt kommen und sich mit ihnen beschäftigen – auf originelle und spielerische Weise.

Wogegen schlechterdings nichts einzuwenden ist. Und besser, als Bücher in die Tonne zu werfen, ist es allemal.

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