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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik: Für die Berliner eine kleine Elbphilharmonie

06.03.2017

Berlin Berlin hat einen neuen Konzertsaal voller Überraschungen: Zur Eröffnung am Samstagabend begrüßte Dirigent Daniel Barenboim das Publikum im obersten Rang des ellipsenförmigen Pierre-Boulez-Saals – zusammen mit sieben Blechbläsern im Rund. Kurz danach saß er dann für ein Mozart-Quartett am Flügel inmitten seiner Zuhörer.

Die wechselnden Klang- und Sichterlebnisse gehören zum Clou des neuen Konzertsaals, den der amerikanische Stararchitekt Frank Gehry für das frühere Kulissendepot der Berliner Staatsoper Unter den Linden entworfen hat. Die Hauptstadt verdanke dieses Haus der guten Beziehung zwischen Berlin und Daniel Barenboim, sagte Bundespräsident Joachim Gauck zur Eröffnung.

Barenboim ist Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper. Der Konzertsaal, der den Namen des französischen Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez (1925– 2016) trägt, steht nicht allein. Er ist Teil der von Barenboim gegründeten Musikakademie, die Musikstudenten aus der arabischen Welt und Israel zusammenbringt. Außerhalb ihrer von Konflikten gezeichneten Heimat sollen die angehenden Profimusiker sich in Berlin gegenseitig zuhören und von den jeweils anderen lernen. Bis zu 90 Studenten sollen in der Barenboim-Said-Akademie ausgebildet werden.

Barenboim nahm seine Solisten, darunter auch seinen Sohn und Violinisten Michael, nach einem Kammerkonzert von Alban Berg in den Arm. Das Publikum dankte mit langem Beifall. Auch das Verbeugen in einem eiförmigen Saal will geübt sein: Manche Musiker machten einmal die Runde – um keinen Teil der Zuhörer zu vernachlässigen.

Neben dem holzvertäfelten Konzertsaal mit 680 Plätzen, durch den wie von Geisterhand bewegt Mikrofone und eine Kamera schweben, hat das Gebäude einen modernen Treppenhaus-Einbau bekommen. Auf den Ebenen sind die alten Stahlträger und Türen des Kulissendepots als ein Stück Industriearchitektur geblieben. Namensgeber Boulez, dessen Musik als erstes Stück am Eröffnungsband erklang, hatte traditionelle Konzertsäle gern als „Schuhschachteln“ kritisiert.

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